Aaaaaalso, wo fang ich denn an?
Krankenhaus! Ja, die letzte Woche war ziemlich langweilig. Was wahrscheinlich auch zum Teil daran liegt, dass ich mich momentan nicht gerade als außerordentlich motivierten Studenten
bezeichnen kann. Was mir aber immerhin ausreichend Zeit zum Sightseeing verschafft.
Zuerst war ich im Museum of Contemporary Art, was blöderweise gerade nur auf der Hälfte einer der 4 Etagen geöffnet hat. Alles andere wird gerade umgebaut, weil am 15. Mai ne neue Ausstellung eröffnet wird. Aber - kein Problem. Da die Australier die angenehme Angewohnheit haben für einen Großteil ihrer Museen keinen Eintritt zu verlangen, werd ich wohl einfach nochmal hingehen. Danach war ich relativ lange in den Rocks spazieren, dem Stadtteil, in dem die britischen Siedler die ersten Gebäude erbaut haben. Wer annimmt, eine australische Stadt am Meer wäre mit den deutschen Küstenstädten vergleichbar und genauso flach (...so wie ich...), der würde sich ganz schön umschauen (so wie ich!), wie oft man hier, egal in welchem Stadtteil und wie nah am Meer auch immer, irgendwelche Treppen und Berge (!) hoch und runter klettern muss, um sich fortzubewegen! Allerdings wird man für die Strapazen mehr als entlohnt, wenn man dann endlich ganz oben angekommen ist... Zum Beispiel mit der Aussicht vom Observatory Hill Park rund um die Sternwarte - echt schön!
Die nächste Station war der berühmte Bondi Beach - ein Strand, der vom Zentrum aus sehr schnell erreichbar und besonders beliebt bei Surfern ist. Habe jene dann ne ganze Weile beobachtet und versucht mir die Tricks abzugucken. Also: Wann und vor allem wie kommt man von der liegenden in die aufrechte Position? Musste mir dann aber erklären lassen, dass wohl anfangs schon allein das Liegen und Vorwärtskommen ein echter Balanceakt ist und es relativ lange dauern kann, bis man sich wirklich ans Aufstehen heranwagt. Naja, ich werde es wohl hoffentlich irgendwann nochmal ausprobieren... Bin allerdings sehr zuversichtlich, dass ich mich mindestens genauso dämlich anstelle, wie tausende deutsche Backpacker vor mir! :)
Am Freitag hab ich dann spontan nach dem Infektiologietreffen in Balmain, bei dem es mal wieder ein vorzügliches Frühstück gab (Bagels mit Tomaten, Frischkäse und Avocado, Joghurt, Obst, Muffins und anderer Süßkram, dem ich ja bekanntlich relativ schlecht wiederstehen kann...), entschieden, dass ich eigentlich gar keine Lust hab, noch mit auf meine Station zu
gehen. Also bin ich morgens halb 10 in Australien (haha) zurück in meine Wohnung gefahren,
wo der Oli gerade dabei war aufzustehen. Der hat nämlich freitags generell frei (offiziell Vorlesungen, aber naja) und ist deshalb am Donnerstag schon ins Zentrum gekommen.
Haben dann geschlagene 5 Stunden in der Art Gallery of New South Wales verbracht. FÜNF Stunden! Und natürlich war auch hier wieder der größte Teil für umme zu besichtigen und nicht mal den haben wir vor Ende der Öffnungszeit komplett geschafft! Echt unglaublich! Waren uns einig, dass australische Kunst des späteren 20. Jahrhunderts unheimlich unspektakulär ist, der Rest der Ausstellung aber eindeutig sehenswert war!
Da wir für Samstag nen Ausflug in die Blue Mountains geplant hatten und Olis Wohnung da ausnahmsweise mal eindeutig im Vorteil ist, was die Distanz angeht, hab ich abends meine Sachen gepackt und wir sind nach Westmead gefahren. Haben den hochkulturellen Tag dann gebührend mir unglaublich schlechtem Tiefkühlfraß vorm Fernseher abgeschlossen.
Nach der Anzahl an Fastfoodläden zu urteilen, sollte man echt annehmen, die Australier verstehen was von Fertigessen. Habe aber leider in meiner Spinat-Ricotta-Lasagne vergeblich versucht wenigstens eine der beiden Zutaten herauszuschmecken und Olis Pizza hat eher an knusprige Pappe als an eine italienische Spezialität erinnert...
Am Samstag ging's dann relativ früh los und mit dem Zug in Richtung Blue Mountains - ein Gebiet westlich von Sydney, das wohl relativ viele hier lebende Australier vor allem im Sommer zur Erholung nutzen. Blue deshalb, weil die Wälder zu einen Großteil aus Eukalyptusbäumen bestehen, der Dämpfe die Luft wohl blau färben sollen.
Also ich fand, es war eigentlich relativ grün... Aber das dafür so richtig! Mir wurde ja zu Hause der glorreiche Tipp gegeben, bei dem Bisschen an Zeit, die ich habe, könne ich auf ne Wanderung in den Blue Mountains guten Gewissens verzichten. Das würden zwar die meisten Touristen machen, aber eigentlich wäre das nix anderes als die Sächsische Schweiz.
Ha! Stimmt ja gar nicht! Oder haben wir in der Sächsischen Schweiz etwa malerische Wasserfälle, die meterhohe Felswände hinunterstürzen? Und hat man in der Sächsischen Schweiz etwa das Gefühl mitten im Regenwald gelandet zu sein? Und fliegen da etwa bunte Papageien durch die Gegend? Nee! Ha!
Glücklicherweise hatten wir Elisabeth und Jodi (australische Medizinstudentin) dabei, die die Wege schon kannten und uns eine superschöne Tour rausgesucht haben. Mittagessen gabs
direkt an einem der Wasserfälle und ich glaube, ich hab die anderen ganz schön genervt, weil ich ständig irgendwo anhalten und Fotos machen musste, die nicht mal annähernd wiedergeben werden, wie schön das dort war. Also bereitet euch auf langweilige Fotovorführungen vor, bei denen ihr wahrscheinlich denken werdet: "Ah, ein Baum! Wie aufregend!" ;)
Zurück in Westmead hat Elisabeth uns Fotos von ihrer Tour durch Tasmanien und nach Melbourne gezeigt und damit mal wieder absolut mein Fernweh geweckt. Aaaaaaah! Ich bin viel viel viel zu kurz hier und habe eindeutig zu wenig Zeit! Habe beschlossen, nochmal wieder zu kommen, dann mit mehr Geld (für das ich wahrscheinlich erstmal arbeiten muss) und mehr Zeit (die ich nicht mehr habe, wenn ich erstmal arbeite)! Bitte hiermit um ernst gemeinte
Vorschläge, wie beides gleichzeitig realisierbar sein könnte! Oder um Spenden, damit ich die Sache mit dem Arbeiten einfach weglassen kann - würde einiges erleichtern... :)
Am Sonntag war's dann soweit. Habe den Kontakt zum Pazifik intensiviert! Die gute australische Herbstsonne hat ganz artig mitgespielt und uns einen Tag am Strand geschenkt. Also hat sich die Steffi brav mit LSF 30 eingeschmiert, den Oli und die Elisabeth eingepackt und ist nach Coogee, einem Strand etwas südlich von bereits erwähntem Bondi Beach gefahren...
Der Oli war so großzügig seine Ortskenntnis mit uns zu teilen und hat uns in seine Lieblingsbucht namens Gordon's Bay geführt - eine kleine von malerischen Felsen umrandete Bucht mit türkisblauem Wasser und recht wenigen Besuchern. Das war echt Urlaub pur! Und, man mag es kaum glauben, aber ich war tatsächlich im Meer! Komplett! Und das obwohl ich ja, was kaltes Wasser oberhalb der Knie angeht eher ein Weichei bin... Und obwohl ich den Gedanken an möglicherweise vorbei (also hoffentlich nur "vorbei" und nicht "auf mich zu") schwimmende Rochen, Haie und Würfelquallen nicht so ganz verdrängen kann... Oli hat inzwischen an seiner australischen Bräune (DAS Angebermitbringsel schlechthin!) gearbeitet. Hab ihn aber trotz des Nachlegens von LSF 30-Sonnencreme eindeutig überholt, was die Färbung angeht. Hehe! Wenn ich was kann, dann wohl das! ;)
Frisch motiviert bin ich also am Montag in meine 3. PJ-Woche gestartet.
Habe mir vorgenommen, mal echt vorbildlich anwesend zu sein und Interesse zu zeigen, in der Hoffnung möglich viel Unterstützung bei der Durchsetzung des Projektes "Urlaub für Steffi" (siehe Fernweh) zu bekommen. Scheint zu funktionieren! Das Röntgenmeeting am Mittwoch begann mit einer lebhaften Diskussion unter sämtlicher Ärzten der Immunologie und Infektiologie, was ich denn unbedingt noch sehen müsste und wieviel Zeit ich dafür frei bekommen sollte... Dabei war auch mein Supervisor anwesend, also derjenige, der letztendlich unterschreiben muss, dass ich immer brav im Krankenhaus war und NIE gefehlt habe. Hatte ja eigentlich gedacht, dass der erst in 2 Wochen aus seinen Ferien zurückkommt und deshalb
geplant, einfach vorher zu verreisen und danach zu sagen, alle anderen hätten gemeint, ich soll unbedingt frei nehmen und das wäre schon in Ordnung. Naja, jetzt komm ich wohl doch nicht drum herum ihn persönlich zu fragen - das werde ich dann morgen mal in Angriff nehmen!
Rebecca, mein Stations-Resident, hat heute schon mit mir geübt, was genau ich sagen muss, damit das nicht klingt wie: "Hey! Ich hab echt keine Lust darauf hier im Krankenhaus zu versacken und erwarte stattdessen von dir, dass du mir unterschreibst, dass ich immer da war, obwohl ich stattdessen irgendwo an nem Strand versucht hab, ein Surfbrett dazu zu bringen einigermaßen das zu tun, was ich will." Wäre wohl etwas unhöflich! ;)
Außerdem muss ich auch echt mal sagen, dass diese Woche bisher richtig Spaß gemacht hat und ich sogar was gelernt hab. Die Ärzte sind echt ausnahmslos nett und geduldig und nehmen sich superviel Zeit für's Teaching. Und für nicht-medizinische Tipps. Rebecca hat mir auf 2 kompletten A4-Seiten alle möglichen Bars und Cafés aufgeschrieben, die ich unbedingt ausprobieren muss, so lange ich hier bin. Außerdem hat sie beschlossen, dass wir unbedingt mal zusammen weggehen müssen, weil sie mir dann viel besser alle coolen Ecken zeigen kann. Die ist sowas von süß!
Wobei ich mich wie gesagt über zu wenig Freitzeitbeschäftigung nicht beschweren kann...
Am Montag war ich mit Oli und Elisabeth in einer Bar, die mir eine meiner Mitbewohnerinnen (Kristen, die Australierin, die gerade für 5 Wochen nach Italien geflogen ist) empfohlen hat.
Und diese Bar befindet sich nicht nur im 47. Stock eine Hochhauses und schenkt einem damit einen super tollen Ausblick über ganz Sydney. Nein, sie dreht sich auch noch! Man kann also gemütlich einen Cocktail schlürfen und nach etwa 1 1/2 Stunden hat man ohne auch nur einen Schritt zu gehen jeden Winkel der Stadt mindestens einmal von oben gesehen. Wahnsinn!
Dienstag war wieder Kinotag. Ob man IronMan2 jetzt unbedingt gesehen haben muss, weiß ich allerdings nicht... ;)
Gestern war ich mit Oli, Nik und Co im Lansdowne Hotel. Irgendwie heißen hier alle Pubs und Eckkneipen Hotel, was erstmal ganz schön verwirrend sein kann. Jedenfalls waren das haufenweise mehr oder weniger betrunkene Studenten und die Musik kam nicht vom Band sondern von zwei enthusiastischen singenden Gitarrenrockern, die meinen größten Respekt verdienen, weil sie sich trotz des undankbaren (weil betrunkenen) Publikums, dass direkt vor der Bühne wild herumgezappelt hat, nicht entmutigen lassen sondern geduldig und vor allem echt gut weitergespielt haben! Echt lustiger Abend - unter anderem dank Sal, dem Kerl mit der wohl witzigsten Lache der ganzen Welt! Zum Brüllen komisch! Oli und ich rätseln immer noch, was der wohl nimmt und ob wir das auch mal probieren sollten... ;)
(An dieser Stelle schöne Grüße an meine Mama: Keine Sorge! Nur Spaß! :))
Soooooo, da ich mir vorgenommen hab, heute mal zeitig in Bett zu gehen und für's Wochenende vorzuschlafen, soll's das für heute gewesen sein.
PS: So sieht das übrigens aus, wenn ich mich etwa 100 Meter von meiner Haustür entferne...
Also ich kann nur sagen, wenn Australien nicht so verdammt weit weg wäre, würde ich tatsächlich anfangen über's Hierbleiben nachzudenken! Vielleicht versteht ja der ein oder andere, warum... ;)

Na, sagen wir's mal so: ein was gutes hätte es, wenn du da bliebest - da könnte ich dich mal besuchen kommen. Denn wer kennt das ewig leidige thema nicht: hat man die Zeit, fehlt das Geld - hat man das Geld, fehlt die Zeit.
AntwortenLöschenIch könnte schon darüber einen Roman schreiben :)
Dann plant mal euren Ulraub schön und ich drück die Daumen, dass das mit dem Surfen klappt. Nimm dich bloß vor den scharfen zähnen in Acht (damit mein ich grad nicht nur die Haie.....) ;-)
Fühl dich ganz herzlich gedrückt,
:*