Sonntag, 3. Oktober 2010

Auf Abschiedstournee durch den Herbst

Was für ein Tag! Mein letzter Sonntag hier in Skien, 15wöchiges Jubiläum meines Norwegenaufenthaltes und Tag der deutschen Einheit! Und da bald auch Dresden und ich wieder vereint werden, wird es Zeit für den wahrscheinlich letzten Blog-Eintrag von hier oben...

Zuerst mal zum "offiziellen Teil": Die letzten beiden Wochen habe ich in der Urologie verbracht. In Deutschland zählt die nicht zur Chirurgie, sondern gilt als vollständig unabhängige Spezialität, die man sich im PJ nur als Wahlfach, nicht aber für das Chirurgie-Tertial anrechnen lassen kann. Also pst! Nicht dem Landesprüfungsamt verraten! ;) Hier in Norwegen muss man zuerst Allgemeinchirurg werden, bevor man sich zum Urologen "subspezialisieren" kann. Und mir gibt das die Gelegenheit in ein Fach hineinzuschnuppern, dass ich eigentlich nie näher in Betrachtung gezogen hab. Tja, Urologe werde ich wohl trotzdem nicht... Auch wenn die Herren Urologen sich wirklich alle Mühe geben, mich von der Großartigkeit dieses Faches zu überzeugen. Am Donnerstag habe ich zum Beispiel an der ambulanten Sprechstunde eines der Oberärzte teilgenommen. Und beim 2. Patienten saß ich plötzlich auf seinem Stuhl und sollte Arzt spielen. Alles klar- einmal ins kalte Wasser bitte! Ging aber gut und der ganze Tag war super interessant, lustig und ein bisschen skurril. Während ein Patient unten ohne auf nem Gynstuhl sitzend darauf gewartet hat, dass ihm unter transrektaler Ultraschallkontrolle 10mal mit einer Biopsienadel in die Prostata geschossen (!) wird, haben sowohl Arzt und Schwester als auch der Patient selbst sich darüber kaputt gelacht, wie die kleine deutsche PJlerin brav jedes norwegische Schimpfwort nachgeplappert hat, was sie ihr abwechselnd vorgesagt haben...
Noch ein Sprechstunden-Highlight: Ein Patient kommt mit seiner Ehefrau zur Abklärung in die Poliklinik, nachdem beide seit etwa einem Jahr erfolglos versuchen Nachwuchs zu zeugen. Geburtsjahr des Patienten: 1989! Und ja, in dem Moment habe ich mich kurz etwas alt gefühlt. ;)
Ansonsten bin ich wieder viel im OP und trainiere meine Nähtechnik an Körperteilen, die ich wohl nicht allzu häufig auf den Tisch bekomme, sollte ich wirklich in die Gyn gehen. Am Dienstag war das zum Beispiel das beste Stück eines 19jährigen Patienten, der sich wegen einer Vorhautverengung beschneiden lassen hat. Und während ich mir - meiner gewichtigen Verantwortung voll bewusst - die größte Mühe gegeben habe, hat der Rest des OPs Witze darüber gemacht, wie lange man ihn jetzt krank schreiben müsste und dass das ja wohl abhängig vom Beruf sei. Also wenn er beispielsweise Callboy wäre ... hahaha...
Außerdem habe ich mir meine allererste Nadelstichverletzung zugezogen - was nicht meine Schuld als unschuldiger Assistent sondern die des Operateurs war. Also schön Blut abnehmen und sowohl mich als auch den Patienten auf ansteckende Krankheiten testen lassen. Ergebnisse sind auch schon da - Entwarnung! Das Ganze ist übrigens während der Begradigung einer Penisschiefstellung passiert... Ironie des Schicksals? Hab echt schon überlegt, ob mir das was sagen soll... ;)
Generell sind die Urologen wirklich ein sehr lustiges Völkchen. Muss man wohl auch sein, wenn man ständig auf - Achtung Insider! - auf "großer Hafenrundfahrt" ist oder aber nur etwa 10cm Zystoskop zwischen dem eigenen Auge und der Harnröhrenöffnung eines anderen Mannes hat. Und so hält man sich eben beim gemütlichen Waffel essen auf Station mit lustigen OP-Anekdoten bei Laune. Zum Beispiel die aus der Assistenzarztzeit eines der Oberärzte, der bei einer Gallenblasen-OP durch den übergewichtigen Operateur, der im genauso übergewichtigen Patienten angestrengt nach dem gesuchten Organ gefahndet hat, durch einen unbeabsichtigen aber dennoch beherzten Schubser über die so genannte "Blut-Hirn-Schranke" auf die Anästhesie-Seite befördert wurde. Dabei ist der gute Assistent nicht nur auf dem Anästhesisten gelandet und mit ihm weiter in Richtung Fußboden gesegelt, sondern hat es auch noch geschafft in den Beatmungsschläuchen hängen zu bleiben und den Patienten mit Schwung zu extubieren. Großartige Vorstellung! Ganz so actionreich geht es bei uns dann doch nicht zu...

Parallel zum Urologie-Unterhaltungsprogramm hatte ich letzte Woche nach längerer Pause mal wieder Besuch aus der Heimat. Schon vorletzten Donnerstag sind Carola und Stefan hier angekommen. Ich hatte mir den Freitag frei genommen und uns für das lange Wochenende einen fahrbaren Untersatz besorgt. An dieser Stelle nochmal ein großes Dankeschön an Steinar, der sich extra ein anderes Auto geliehen hat, um uns seins zur Verfügung zu stellen! Und weil auch Denise und Philipp (die beiden Leipziger PJler) gerade Besuch hatten, sind wir am Freitag zu viert in nem kleinen roten Corolla in Richtung Kragerø getuckert. Kragerø liegt etwas weiter südlich an der Küste und ist eigentlich eine absolute Sommerstadt. Für hatte sie aber pünktlich zum Herbstbeginn dicke graue Wolken und eine kräftige Meeresbrise bereit gehalten - stimmungsvoll, stürmisch und ganz nach meinem Geschmack. Ich liiiiiiiiebe den Herbst! Erst recht an der See! Zuerst sind wir ein bisschen mit der Fähre durch den Skjærgården geschippert - draußen auf dem Deck, während die Wikinger alle drinnen im Warmen saßen.

Auf der Fähre


Ausgestiegen sind wir dann auf einer der größeren Schäreninseln und haben uns auf den Weg zu einem Fort aus dem 2. Weltkrieg gemacht. Nach einigem Suchen, ein bisschen ungeduldiger Skepsis von Seiten unserer Begleiterin Jana ("Meint ihr wirklich, wir sind hier richtig? Was ist denn, wenn wir uns nicht mehr zurück finden?" - wie ich sowas liebe!) und regelmäßigen Stopps zum Waldpilze einsammeln oder Gartenäpfel klauen auf malerischen Waldlichtugen, die direkt aus einem Kinderbuch von Astrid Lindgren stammen hätten können auch gefunden haben. Belohnt wurden wir mit einer wundervollen Aussicht über ganz Kragerø und Umgebung.

Wegzehrung vor dem Haus der "Brüder Löwenherz"

Aussicht vom "krikken kystfort" auf Skåtøy

So langsam wurde es dann auch Zeit für den Rückweg. Ausgerechnet jetzt musste es natürlich anfangen zu regnen. Und wie! Und so sind wir pitschnass und 5 Minuten zu spät für die 18Uhr-Fähre wieder auf dem Hauptweg angekommen. Da die nächste Fähre erst um 20.15Uhr fahren sollte und die Vorstellung etwa 2 Stunden in nassen Klamotten am Anleger zu stehen für uns alle nur begrenzt verlockend klang, haben wir uns auf den Weg zum Inseleigenen Gallerie-Café gemacht. Großartige Idee! Warmer Kaffee, gemütliche Umgebung und lustige Norweger, die ihren Tag damit verbringen an der Bar sitzend Kreuzworträtsel zu lösen und Kaffee mit Schuss zu trinken.

Endlich im Trockenen - Jana und ich freuen uns über den Hand-und-Magen-Wärmer

Skåtøy Kafé & Galleri

Die Zeit verging und trotzdem hat es draußen ohne Ende geschüttet. Bei jeder Bewegung haben uns die klammen Klamotten wieder daran erinnert, dass wir am liebsten nicht mehr nach draußen gegangen wären und die Vorstellung erst nach einer halben Stunde Fußweg die Fähre zu erreichen war alles andere als verlockend. Also habe ich einfach spontan und eigentlich eher halbherzig den Barmann gefragt, ob er nicht Lust hat uns zu fahren. Bevor der antworten konnte, hat sein Kreuzworträtsel-begeisterter Rasta-Bruder schon begeistert seine Dienste angeboten. Er meinte, er bräuchte sowieso ein bisschen Übung, wenn das irgendwann nochmal was werden soll mit dem Führerschein. Den hatte er also noch nicht - aha! Dafür aber ne ordentliche Kaffee-Baileys-Fahne... Egal, wir waren nass und verzweifelt und haben uns dann einfach mal auf das Urteil seines Bruders verlassen. Der hat ihm schließlich sein Auto anvertraut. Und was sollte auf einer Insel mit 250 Einwohnern schon groß passieren. Und der gute Kenneth hat sich auch echt gut geschlagen. Nur als er uns abgesetzt hatte und versucht hat am Berg wieder anzufahren, hatte er so leichte Schwierigkeiten. Aber nur bis er gemerkt hat, dass er vielleicht nicht den 4. Gang benutzen sollte...
Letztendlich sind wir dann völlig durchgefroren zu Hause angekommen und haben den Abend dann nach ausgiebigem heiß duschen mit selbst gesammelten Waldpilzen zum Abendessen ausklingen lassen.

Am nächsten Tag waren dann auch Philipp und Denise mit dabei und wir sind in Mini-Kolonne zur größten Norwegischen Stabskirche nach Heddal gefahren. Dabei handelt es sich um Holzkirchen aus der Wikingerzeit, die vom Baustil her an die Wikingerboote erinnern sollen. Leider konnten wir das Ganze nicht von innen bestaunen, da in Norwegen wohl ab Mitte September niemand mehr mit Touristen rechnet und demnach alle Sehenswürdigkeiten außerhalb Oslos geschlossen werden.
Carola an der Stavkirke in Heddal

Stefan zeigt ganzen Einsatz im Dienste der "forced perspective"

Nach einer ausgiebigen Fotosession ging's für uns also weiter über das Eplefest in Gvarv ein Stückchen weiter den Telemarkkanal hinauf zu dessen größter Schleusenanlage - der Vrangfoss Sluse.

Die 3 von der Schleuse
Man beachte die Vielfältigkeit unserer kleinen Gruppe - 3 Leute, 3 Haarfarben, 3 Augenfarben! :)

Zum Abschluss unseres Tourwochenendes sind wir am Sonntag nochmal zu den Wikingergräbern nach Mølen und ins Fischerdörfchen Nevlunghavn gefahren, dort über die Felsen gekraxelt und haben uns den Seewind um die Ohren pusten lassen.

Zwei, die sich bei ihrer ersten Begegnung total blöd fanden - damals in der 5. Klasse :)

Jana, Denise und Philipp am Grab eines unbekannten Wikingers

Auf dem Rückweg nach Skien haben wir noch einmal angestrengt Ausschau nach Elchen gehalten, aber trotz vielversprechender Schilder, die alle paar Kilometer am Straßenrand auftauchten, hat sich keiner sehen lassen... Unglaublich, dass ich nach 4 Monaten hier in Norwegen wohl nach Hause kommen werde ohne auch nur einen einzigen Elch gesehen zu haben... :(

In Ermangelung echter Elche muss das Bildmaterial eben gefälscht werden

Und damit war das Wochenende dann auch vorbei und für mich hieß es wieder ab in die Uro! Carola und Stefan haben in der Zeit fleißig die Umgebung erkundet und sind durch Skien gestreift, mit dem Zug ins ca. 80km entfernte Tønsberg gefahren und durch den Skjærgården vor Brevik geschippert. Abends haben sie mich mit leckeren Mahlzeiten verwöhnt und ich hab mich bedankt indem ich sie mit dem Glee-Virus infiziert habe. :D Ähnliches habe ich übrigens auch mit meinem Schwesterlein vor! Also Julchen, freu dich auf eine wundervolle US-Serie mit gaaaaanz viel Musik, bei der jede Folge ein breites Grinsen auf dein Gesicht zaubert.

Am Mittwoch konnte ich früh nach Hause gehen, was uns die Gelegenheit zu einem etwas ungewöhnliches Freizeit-Sport-Erlebnis gegeben hat. Und damit ist jetzt auch der richtige Zeitpunkt zur Auflösung des Rätsels gekommen:

Frisbee-Golf im norwegischen Wald, ganze 18 "Loch" mit Par-Angabe und allem Drum-und-Dran


Und während wir uns nur mit der Grundausstattung (je einem Frisbee für long distance, middle distance und putt&approach) durch den Wald geschlagen haben, schleppen die Profis (und ja- die gibt es in diesem "Sport" tatsächlich!) riesige Rucksäcke voller Frisbees für die verschiedensten Bedingungen mit sich herum.
Was soll ich sagen: Ich werde wohl kein Profi mehr! Habe haushoch verloren und wurde noch dazu fies von Stefan gefault, der einen der Körbe wohl mit meinem rechten Handgelenk verwechselt haben muss... Aber mal sehen! Carola hat die ganze Zeit geredet, dass sie "sowas unbedingt in Deutschland installieren" will... Vielleicht haben wir ja alle bald ganz viel Gelegenheit zum üben.

Abgesehen vom Aktiv-Programm dreht sich auch hier in Norwegen eigentlich alles nur ums Essen... ;)

Carola auf dem "Eplefest" in Gvarv

Denise und Philipp mit leckeren Telemark-Sveler, dicken Eierkuchen mit Sauerrahm und Apfelmus

Norwegisches 3-Gänge-Menü: (leider angebrannte) Fischsuppe, Reke-Smørebrød mit Mayo und Zitrone (vor allem Stefan war begeistert vom Krabben pulen...) und süße Rømmegrøt (sowas wie Grießbrei, Stefan war versöhnt!)

Um zu überprüfen, ob eine geöffnete Miesmuschel noch lebt und damit noch genießbar ist, schlage man sie entweder auf eine harte Unterlage oder ertränke sie in kaltem Wasser und beobachte, ob sie sich daraufhin von selbst schließt... Und trotzdem: Mit Liebe wird gekocht!

Blåskjell i hvitløk-hvitvin-tomat saus (die fertigen Miesmuschel in Knoblauch-Weißwein-Tomatensoße)

Am Freitag sind Carola und Stefan wieder abgereist - genau 1 Woche bevor es auch für mich Abschied nehmen heißt - zumindest von Skien.
Da ich Skien selbst jetzt ganz gut zu kennen glaube, habe ich meinen letzten Samstag hier dafür genutzt nach Tønsberg zu fahren - der ältesten Stadt Norwegens, gelegen am Westufer des Oslofjordes. Highlights sind wohl der Schlossberg mit Aussichtsturm, auf dem jeden Sommer das "Slottsfjell-Festival" stattfindet, sowie zahlreiche Kirchenruinen und Wikingergräber, die über die ganze Stadt verteilt sind.
Mich hat es allerdings ein bisschen weiter nach Süden gezogen: auf einer der Schäreninseln, die vor Tønsberg im Oslofjord liegen. Auf der Insel Tjøme befindet sich nämlich ein ganz besonderer Ort, dessen Name - wenn auch nicht ganz wörtlich genommen - so doch aber irgendwie symbolhaft auf mich wirkt:

"Verdens ende" - das Ende der Welt


Es ist wohl an der Zeit, sich so langsam von Norwegen zu verabschieden.

Und das werde ich gebührend tun - wie schon so oft mit einem lachenden und einem weinenden Auge! Zusammen mit Mama und Bjarne geht es nächsten Freitag mit dem Nachtzug nach Bergen und dann über Oslo zurück nach Hause. Dresden - ich freu mich auf dich!

Samstag, 18. September 2010

It's ToolTime

Jaaaaa, ich war faul! Ich geb's zu... So langsam geht mir die Post-Puste aus. Wird wohl Zeit, dass ich zurück komme... ;)

Bis es soweit ist, soll es aber doch nochmal ein paar Nachrichten aus dem Land der Elche und Wikinger geben. Erstere hab ich immernoch nicht gesichtet - nur indirekt, wenn man wieder ein Patient in die Notaufnahme gekarrt wird, der im Auto sitzend mit 'nem Elch auf Tuchfühlung gegangen ist und dabei den Kürzeren gezogen hat. Oder in der Kühltruhe im Supermarkt! Die Wildsaison ist nämlich eröffnet und damit gibt es auch wieder frisches Elchfleisch. Würde mal sagen: Geschmackssache! Aber wer Wale ist... Um die Ehre der Norweger zu retten: Es gibt auch einige kulinarische Traditionen hier oben, die ich sehr ins Herz geschlossen habe! So zum Beispiel Lefse in dicker und dünner Version (süßes Gepäck, meist gefüllt mit ner Zucker-Butter-Zimt-Creme), Vafler (heiße Waffeln mit Marmelade, gibt's nach wie vor jeden Freitag im OP), Brunost in den Version Ekter Geitost/ Gudbrandsdalost/ Fløtemysost (karamellisierter Käse, super lecker auf frischem Brot, hab schon gegoogelt, wo man den in Deutschland kaufen kann - Hamburg ist dabei!) und und und...
An dieser Stelle ein kurzer Rückblick ins Jahr 2007: Klein-Steffi kommt nach einer 4wöchigen Famulatur in Norwegen zurück nach Dresden. Im Gepäck: 3 Kilo extra. ;)

So, genug von den Essgewohnheiten der Norweger (und der Steffi). Wir sind ja schließlich nicht zum Spaß hier! Sondern zum Lernen und Arbeiten! Im Krankenhaus!
Ein Blick auf den Wochenend-Dienstplan verrät: KAM-Fest am Samstag auf dem Dach der örtlichen Brauerei. KAM bedeutet dabei Klinikk for Akutt Medisin - bestehend aus Notaufnahme, Intensiv- und Operationsabteilung. Und Fest hat der ein oder andere vielleicht schon mal gehört. Um die Angestellten bei Laune zu halten, erhält jede Abteilung von der Krankenhausleitung einen gewissen Geldbetrag (und wir sprechen hier von 4stelligen Eurobeträgen!) zur freien Verfügung. Dann wird herumgefragt, was man damit machen könnte (Ausflug nach Schweden, Gokart fahren oder eben feiern) und die Angestellten organisieren die entsprechende Gemeinschaftsaktivität.

Vibeke Hegge - "Ratgeber" der chirurgischen Klinik und damit u.a. zuständig für die Praktikanten


Die Belegschaft tanzt - geübt wurde vorher regelmäßig in OP 1

OP-Schwester Lene hatte für den Abend die grüne Haube gegen ne Glitzerperücke getauscht (und mir letzte Woche für meine restliche Zeit hier ihr Fahrrad zur Verfügung gestellt :D )

Radiologe frisst Gynäkologin - jaja, je später der Abend...

Fazit: ein super lustiger Abend mit leckerem Essen, Bauchtanz, MadCon-Choreographie tanzender Belegschaft, ausgiebigen Verbrüderungsritualen kreuz und quer zwischen Ärzten, Schwestern und Verwaltungspersonal und viel viel Rotwein.
Ich bin danach noch mit Mehdi und Yousef, zwei Radiologen, die ich mal bei unserem Grillen vorm Haus kennengelernt habe, weiter gezogen. Es wurde spät! Aber dank der beiden war ich dann 2 Tage später das erste Mal in meinem Leben Squash spielen. Hatte bisher immer ein bisschen Schiss davor - Danke liebe Augenärzte der Uniklinik Dresden! Dank fieser Geschichten von Blow out-Frakturen des Augenhöhlenbodens, die immer (!) einen Squashball beinhalteten, habe ich mich bisher davor gescheut. Aber: macht super viel Spaß und ich suche hiermit nach willigen Mitspielern in Dresden!

Zum Abschluss des Wochenendes gab's dann übrigens auch noch ein bisschen Live-Musik auf dem Skiener Festplatz. Jährlich zum Ende des Sommers hin findet hier alles mögliche gleichzeitig statt: Handelsmesse, Rummel und eben Konzerte.

Steffi und Yousef (übrigens mal wieder Multikulti in Extremo: Sohn einer Christin und eines Moslems, geboren in Rumänien, aufgewachsen in Israel, in Ungarn studiert... - Mann, bin ich langweilig!) auf dem Handelstorvet

Die norwegische Band Donkeyboy - letztes Konzert des Jahres

Fashionistas

Iselin kehrt mir den Rücken zu

... naja, nicht so ganz... Aber eins stimmt: Iselin - meine ganz persönliche Norwegisch-Lehrerin ist wirklich inzwischen abgereist. Zurück ins ferne Slowakistan, wie sie es liebevoll nennt. Das neue Semester hat gerufen, scheint aber wohl nicht sooo anstrengend zu werden. Ende Oktober wollen Iselin und ihr Freund Martin mich nämlich erstmal in Dresden besuchen kommen! Pünktlich zur Medizinerparty - man könnte es also auch als internationale Fortbildung bezeichnen... ;)

Sooo, und jetzt wirklich nochmal zum Krankenhaus. Habe schließlich die letzten 4 Wochen in der Orthopädie und Unfallchirurgie verbracht und das soll alles andere als unerwähnt bleiben. Kann nämlich voller Überzeugung behaupten, dass mir das bisher am meisten Spaß gemacht hat. Die Knochendoktoren sind echt mit Abstand die sympathischste Spezies der Skiener Chirurgenriege! Die Zeit ist wie im Flug vergangen und ich habe reichlich Überstunden angesammelt - zu dumm, dass man die als PJler nicht bezahlt bekommt... Aber dafür habe ich aus- und eingekugelt, genäht, geknüpft, das erste Mal selbst das Skalpell angesetzt (und einen gutartigen Hauttumor am Knie entfernt, der laut pathologischer Untersuchung dann doch nicht gutartig war!), alle möglichen Prothesen kennengelernt und (das Wichtigste!) traue mir inzwischen außerdem zu, halbwegs weiter zu wissen, wenn der liebe Marathon-Ulf mal wieder ein Problemchen mit seinem Knie hat! Danach fragt er ja schließlich seit dem ersten Semester... Zumindest dafür hat sich mein Norwegen-Ausflug also gelohnt! ;)
Die kleine deutsche Kommune in Skien hat übrigens Nachwuchs! Seit 4 Wochen sind Denise und Philipp hier - auch für's PJ. Er im eine Stunde entfernten Tønsberg (wohnt aber mit Denise hier auf dem Moflateveien) und sie mit mir in Skien. Und wo studieren die beiden? In Leepzsch! Nu sowas!

Nachtleben in Skien mit Yousef, Hooman, Denise und Philipp


Also 2 mehr, die für Film- und Kochabende, Volleyball, Weggehen und so weiter zur Verfügung stehen! :)
Und die die Stellung halten, wenn ich abgereist bin. Bis dahin ist es nicht mehr lange und die Pläne für meine letzte Woche hier oben stehen inzwischen fest. Die Hotels in Bergen und Oslo sowie die Zugtickets sind gebucht und ich freu mich riiiiiiiiiiiesig auf meine beiden Mitreisenden!!!

Bis dahin geht's nochmal für 3 Wochen in die Urologie - große Hafenrundfahrt (ihr wisst schon, was ich meine...), ich komme!
Außerdem haben sich Carola und Stefan für Ende der Woche angekündigt und wir haben vor, die nähere Umgebung noch etwas zu erkunden... Ich freu mich!!!

Samstag, 21. August 2010

Vikinggraver, rullestein, skålesang og død gris

Der Sommer neigt sich so laaaaangsam dem Ende entgegen. Noch kann man gut in kurzen Sachen draußen herumspazieren, aber weil das eben nicht unendlich so weitergehen wird, muss jeder Sonnenstrahl genutzt werden. Also hieß er für Iselin und mich letzten Sonntag: Ab ans Meer! Und es hat sich mal wieder erwiesen: Wer mit Einheimischen unterwegs ist, ist eindeutig im Vorteil!
Zuerst sind wir auf alten Wikingergräbern - großen Steinhaufen am Strand - herumgeklettert. Gar nicht so leicht übrigens mit FlipFlops... Dann haben wir 'ne ganze Weile am Wasser gesessen und dem Geräusch der Wellen gelauscht, die an den rullestein gebrochen sind. Unglaublich schön!
Gestärkt mit Eis sowie Brom-, Blau-, Himbeeren und Haselnüssen, die uns überall vom Wegesrand her angelächelt haben, ging's dann an den nächsten Strand, von dem aus man übrigens den Skærgård gesehen hat, in dem ich am Wochenende davor mit Omi und Opi unterwegs war. Dort haben wir einen Teil von Iselins Familie getroffen und dann in alter norwegischer Tradition stundenlang auf den Felsen gehockt, Miesmuscheln aufgeknackt und wieder ins flache Wasser gelegt. Sinn des Spiels: kleine Krebse anlocken und die dann aus dem Wasser fischen. Echt unglaublich, wie lange man sich mit sowas beschäftigen kann. Und was man dabei nicht alles noch so tolles im Meer findet. Wusste bisher ja gar nicht, dass es man gar nicht auf das nächste Amazonpaket warten muss, um sich wie ein Kleinkind drüber zu freuen die Luftkammerdingsbumse des Verpackungsmaterials zwischen den Fingern platzen zu lassen... Ab ans Meer! Mit sogenanntem bobletang funktioniert das genauso und das auch noch biologisch abbaubar! :) Noch ein Grund mehr für mich ans Meer zu ziehen, wenn ich groß bin!





Das Ende der Sommerzeit hat im Übrigen nicht ausschließlich Nachteile. So flattern nämlich so langsam alle Norweger wieder zu Hause ein und der - äh - Ernst des Lebens geht wieder los. Und mit ihm das Wintersemester an der Uni in Porsgrunn, das mit einer Eröffnungswoche für die neuen Studenten eingeleitet wird. Naja, bei mir neigt sich das Studium zwar so langsam dem Ende entgegen, aber hey - weiß ja keiner! Also haben Iselin und ich unter die Erstis gemischt... Das Ergebnis: ein sehr lustiger Abend mit Livemusik, für norwegische Verhältnisse freundlichen Getränkepreisen, Batman und seinen Freunden und der Erkenntnis, das Plauener auch nach 7 Jahren in Norwegen ihr Sächsisch nicht verlernen!


Vi skåler for våre venner
Og de som vi kjenner
Og de som vi ikke kjenner
De driter vi i!

Vi drikker for å bli fulle
Og fulle det blir vi
Og blir vi ikke fulle
Så drikker vi mer!

Ogggggggså havner vi på fyllefest igjen
Hei skål!!!



Außerdem haben am Montag die neuen turnuslege ihren Dienst angetreten und mit ihnen sind auch gute alte Freizeitbeschäftigungen nach Skien zurückgekehrt, wie beispielsweise das regelmäßige torsdagspils - also "Donnerstagsbier":


Außerdem wurden fleißig Pläne geschmiedet: Volleyball, Einzugsfeiern, norwegisches Oktoberfest (wobei der Vorschlag von 'nem Schweden kam, der aber sogar eigene Lederhosen besitzt - mit Stolz!). Bin mal sehr gespannt, wieviel davon wirklich passiert, bis ich wieder abreise. Ist ja gar nicht mehr so lange...


An der Schleuse


Industriechic statt Natur pur - Norwegen kann auch anders



Seit 9 Wochen bin ich inzwischen hier und nach der Notaufnahme und der Plastischen Chirurgie, habe ich mich während der letzten 3 Wochen in der Gastrochirurgie getummelt. Ab Montag geht's dann in die Orthopädie und Unfallchirurgie. Das bedeutet für mich übrigens nicht nur Knochen sägen und Schrauben festziehen, sondern auch noch 'ne halbe Stunde eher aufstehen... Zum Abschied von den Weichteilen gab's aber - wie es der Zufall und der glückliche Stern, unter dem ich geboren wurde, so wollen - noch etwas ganz Feines: Einen Naht- und Laparoskopiekurs für die gesamte Abteilung! Morgens wurde nur schnell aus dem Dienst berichtet, die Visite und Röntgenbesprechung durchgezogen und ab 9 Uhr saßen dann alle Ärzte und OP-Schwestern bei Kaffee im Konferenzraum und haben sich von 3 netten rundlichen Herren etwas über die neueste Technik erzählen lassen. Halb 12 gab's dann Pizza für alle und dann hieß es: praktisch üben! Auf die Frage, ob ich denn da auch mitkommen könnte, meinte der Chefarzt übrigens: "Natürlich! Du bist doch ein vollwertiges Mitglied des Teams- auch wenn du nur Hospitant bist!" Äh, ja... Na dann - ab durch die unterirdischen Gänge des Krankenhauses, der Ausschilderung nach (kapelle - den Zusammenhang hab ich auch nicht so ganz verstanden...) und rein ins Vergnügen: den Obduktionssaal der Pathologie.
Ausgestattet mit 3 Laparoskopiestationen, den verschiedensten automatischen Nahtgeräten, konventionellem Nahtmaterial und 2 Kühlboxen voller Organe. Schwein sei Dank!


Nein, auch wenn es so aussieht - das sind keine Fleischer!


Meine erste (und wahrscheinlich einzige) Darmanastomose!

Der Praxistest: Wasser Marsch! - Anastomose dicht! :)


Der absolute Höhepunkt: eine laparoskopische Cholecystektomie! Und das sogar echt schnell und trotzdem ohne die Gallenblase zu perforieren - meiner PlayStation sei Dank!

Vorher...

... und nachher:

Ganze 3 Stunden später hab ich mich dann auf den Heimweg gemacht und mir ist die Euphorie wahrscheinlich nur so aus dem Gesicht gesprungen! Das war wie ein Abenteuerspielplatz für Möchtegern-Chirurgen! Groooooooßartig!


Na und jetzt bin ich mal gespannt, was die Orthopäden so zu bieten haben. Nach 4 Wochen dort geht es für die letzten 3 Wochen dann in die Urologie. Dahin hab ich am Donnerstag schon mal einen kleinen Abstecher gemacht und einem der Uro-Oberärzte einer Meatusplastik (Erweiterung des Harnröhrenausgangs) assistiert und danach den Katheter gelegt - diesmal ohne zu doll zu ziehen... ;) Der Operateur hat mich dann gleich gefragt, ob ich nicht Urologe werden wolle. Äähhh, mal sehen...