Freitag, 25. Juni 2010

16 062 km Luftlinie

... liegen zwischen Sydney und Skien und somit zwischen diesem Montag und jenem davor...

Meine letzte Nacht in Australien habe ich komplett ohne Schlaf verbracht. Dank der Zeitverschiebung wurde das Spiel Deutschland - Australien nämlich mitten in der Nacht um 4.30Uhr übertragen.
Die Zeit bis dahin haben wir uns zuerst im Museum of Contemporary Art am Circular Quay vertrieben. Da gab's mal wieder eine kostenlose Portion Kultur - Livemusik in 'nem Museum!
Nach einem Zwischenstopp in 'nem Pub haben wir uns dann auf den Weg zur Fifa Fan Fest Site (einem von 6 offiziellen Public Viewing Events weltweit) am Darling Harbour gemacht.
Gerade noch rechtzeitig! Etwa eine halbe Stunde nach unserer Ankunft wurden nämlich die Tore geschlossen - voll! Alle, die nach halb 3 angekommen sind, mussten todesmutig über die Zäune springen und sich vor den wütenden Security-Riesen in den Massen verstecken - mehr oder weniger erfolgreich... Letzteres gilt übrigens auch für unsere verzweifelten Versuche 'nen heißen Kaffee zu bekommen. Nach etwa einer Stunde anstehen (wir hatten ja mehr als genug Zeit), ist genau in dem Augenblick, als wir an der Reihe waren, die Maschine in die Knie gegangen. Und ich meine GENAU in dem Augenblick! Also über das ganze Gelände zum nächsten Stand und das Ganze nochmal von vorn...
Glücklicherweise hatte ich meinen Koffer schon am Tag vorher gepackt und alles, was nicht mehr rein gepasst hat und mir zu schade war, um es der Kleiderspende zu schenken, übereinander gezogen. Alles in allem waren das dann 7 Schichten, um mich halbwegs warm zu halten und pünktlich zum Anstoß habe ich dann auch endlich meinen Kaffee in den Händen gehalten.
Tja, wie das Spiel ausging, ist ja wohl weithin bekannt... :) Und die zahlenmäßig unterlegenen deutschen Fans vor Ort hatten nicht die geringsten Schwierigkeiten die Australier hinsichtlich Stimmung und Lautstärke zu übertreffen. Arme Socceroos! Da bauen die extra 3 schwimmende Leinwände, die bei jedem Tor auch noch Feuer spucken, und dann sind's die Gegner, die feiern. Meine australische Mitbewohnerin Kristen hat sich dann spontan dazu entschieden, demnächst für Deutschland zu jubeln, falls das mit den Socceroos so weiter gehen würde. Also Kristen - Sonntag! ;)



Und zusammen mit dem Spiel wurden dann auch mein Aufenthalt in Sydney abgepfiffen. Bin in einem letzten, atemberaubenden Sonnenaufgang und in Rekordgeschwindigkeit in meine Wohnung, hab mir mein Gepäck geschnappt und hab mich auf den Weg zum Flughafen gemacht. War sehr lustig - jedes Mal, wenn ich meinen Pass zeigen musste, ging das Geflüster gepaart mit einer Mischung aus empörten und respektvollen Blicken los... "bslssshhh... German... slbslsshhh"

Irgendwie hab ich auch meine Zwischenstopps in Shanghai und Peking überlebt und nach 32 Stunden unterwegs und mitten im Landeanflug auf Dresden musste ich mir dann doch mal ein paar Tränen verdrücken... Nicht, weil ich traurig war, wieder daheim zu sein, sondern weil mir in dem Moment klar geworden ist, dass es jetzt tatsächlich vorbei ist. Und ich kann nur sagen: die Zeit in Sydney war GROOOOOOOOOOSSARTIG!


Fünf Tage, so einige (viel zu kurze) Wiedersehen und eindeutig zu wenig Schlaf später hab ich mich wieder auf den Weg gemacht.

Velkommen tilbake i Skien!



Freitag, 11. Juni 2010

Long Hello & Short Goodbye

Es ist soweit: In weniger als 4 Tagen bin ich wieder in Dresden. Wie erwartet und von allen Seiten prophezeit, ist die Zeit hier unheimlich schnell vorbei gegangen. Wahrscheinlich lag das wohl vor allem daran, dass Sydney so vielseitig ist, dass man jeden Tag etwas Neues entdecken kann und wieviel Mühe man sich auch immer gibt - die komplette Stadt in allen Einzelheiten zu kennen erscheint einfach unmöglich!
Und je näher der Tag meiner Abreise gerückt ist, desto öfter hat mich das Gefühl beschlichen, das, was ich gerade sehe, besonders wertschätzen zu müssen, weil ich es vielleicht zum letzten Mal vor mir habe oder erlebe. Schließlich ist Australien für einen kurzen Wochenendabstecher - und damit ein kurzfristiges Wiedersehen - ja doch etwas zu weit entfernt...

Der erste fällige Abschied war zum Glück nur einer auf Zeit. Letzten Sonntag ist der Oli abgereist! Da er nicht mehr ins Krankenhaus musste, hatten wir viiiel Zeit, die restlichen Tage zusammen noch gut zu nutzen. Sydney hat brav mitgespielt und uns mit einem ordentlichen Freizeitprogramm versorgt.


Momentan findet die 17. Biennale von Sydney statt. Das heißt: Zeitgenössische Kunst so weit das Auge reicht! Oder die Füße... Statt alle Werke an einem Ort auszustellen, haben die Veranstalter sich entschieden neben der Art Gallery of NSW und dem Museum of Contemporary Art (MCA) auch die Botanical Gardens, ein altes Hafengebäude, die Organisationszentrale Art Space und eine Insel im Sydney Harbour, die früher ein Gefangenenarbeitslager war, als Ausstellungsräume zu nutzen.


Angefangen am Samstag nach unserer Rückkehr nach Sydney im MCA mit einer großartigen Führung, in die wir zufällig hineingestolpert sind, ging's am Sonntag mit der Fähre nach Cockatoo Island und unter der Woche dann zum Pier 2/3 und quer durch die Botanical Gardens. Nach Olis Abreise war ich dann noch alleine in Art Gallery und Art Space und habe es damit tatsächlich geschafft, die komplette (!) Biennale zu sehen.
Wie das eben immer so ist mit zeitgenössischer Kunst, fragt man sich manchmal, was das Ganze eigentlich soll, ein andermal ist man geschockt und einige Werke sind einfach nur toll!


Habe ich schon erwähnt, dass die komplette Veranstaltung kostenlos ist? Und nicht nur, dass nirgendwo Eintritt verlangt wird... Noch dazu fährt in regelmäßigen Abständen eine ebenso kostenlose Fähre vom Circular Quay nach Cockatoo Island und zurück. Das heißt, Kunst ist hier wirklich für jeden gleichermaßen zugänglich und nicht nur für diejenigen, die es sich finanziell leisten können, ins Museum zu gehen. Möchte gar nicht drüber nachdenken, was mich ein vergleichbarer kultureller Event in Deutschland gekostet hätte. Wenn man bedenkt, was allein die Dresdner Museen an Eintritt verlangen...

Abgesehen davon, haben Oli und ich an unseren letzten Tagen vor allem gegessen! Ein letztes Mal Thai in Newtown, ein letztes Mal Mexikanisch in Glebe (okay, nicht wirklich Mexikanisch, weil die Mexikaner alle ausgebucht waren und deshalb ein spanisches Tapas-Restaurant herhalten musste), ein letztes Mal Pizza in Surry Hills (das gleichzeitig das erste Mal war) und ein letztes von Kalorien nur so strotzendes australisches Frühstück im Badde Manor's (French Toast, Pancakes, Milkshake und Kaffee)... Mmmmmmmhhhhhhhhhhhhh!

Und dann war er weg!


Hab ihn noch an der Central Station verabschiedet und mich dann dazu entschieden, dass das Wetter, welches seit unserer Rückkehr aus Melbourne an jedem einzelnen Tag mindestens einen ordentlich Regenschauer bereit gehalten hatte, vertrauenserweckend genug aussah, um mich auf einer Küstenwanderung ausgiebig vom Meer zu verabschieden. Eigentlich wollte ich nur von Coogee nach Bondi laufen, war dann aber viel schneller dort, als ich gedacht hätte, und hab die Wanderung deswegen einfach ein bisschen ausgedehnt.


Das Wetter hat tatsächlich mitgespielt (zumindest für den größten Teil des Weges) - es war sonnig und - wie sich das für die Küste gehört - ordentlich windig! Muss später unbedingt irgendwo am Meer wohnen! Wellenrauschen ist einfach eines der schönsten Geräusche der Welt!
Pünktlich bei meiner Ankunft am South Head, der südlichen Begrenzung der Verbindung zwischen Sydney Harbour und offenem Pazifik, hat es dann doch angefangen zu regnen. Hat schon mal jemand versucht, ausgestattet mit einer Krücke von Regenschirm halbwegs trocken durch einen von der Seite kommenden Wasserfall Marke Niagara zu kommen? Falls ja und falls auch noch erfolgreich, dann immer her mit den Tipps! Ich war nämlich bei meiner Ankunft am Fährsteg in Watson's Bay pitschnass... Habe mich dann mit leckeren Fish 'n' Chips getröstet und bin danach mit der Fähre (wieder eines dieser letzten Male) zurück zum Circular Quay gefahren.

Am Montag hab ich dann gnadenlos verschlafen... Dazu folgende Geschichte.
Starring: ein Ausflug nach Byron Bay inklusive viel Zeit am Strand, mein Bein und ein kleines Tierchen namens Larva migrans cutanea, laut Dr. Wiki auch unter dem sehr treffenden Namen "Hautmaulwurf" bekannt. Normalerweise kommt dieses wohl nur in tropischen oder zumindest subtropischen Regionen vor, aber ich hab es irgendwie und zur großen Verwunderung aller konsultierten Ärzte geschafft, mir das Vieh im australischen Spätherbst einzufangen... Zuerst hat sich das Ganze als einfacher Mückenstich getarnt und ich hab mir nix dabei gedacht. Kaum zurück in Sydney hat sich der Ausschlag dann ausgebreitet und mein Unterschenkel hat so gejuckt, dass ich nachts davon aufgewacht bin. Das und die Angst davor, dass mir spontan das Bein abfallen könnte (schließlich ist ja bekannt, was die australische Fauna so an Leckerbissen zu bieten hat), hat dann dazu geführt, dass ich zuerst mal alle mir bekannten Assistenzärzte zusammengetrommelt hab. Die wollten mir alles mögliche zwischen Krätze und Bettwanzen einreden und haben mir letztendlich antiallergische Tabletten mitgegeben. Damit konnte ich zwar wieder schlafen, aber nach einer weiteren Woche, war der Ausschlag immernoch da und hat gejuckt, sobald ich nicht mit Antihistaminika vollgepumpt war. Also hab ich mein Beinchen mal den beiden Spezialisten Dr. Chan und Dr. Macleod gezeigt und mit daraufhin zu der großartigen Entscheidung gratuliert mein Tertial in der Abteilung für Infectious Diseases zu verbringen. Drei kleine Tabletten und das wars!
Die Antihistaminika hab ich dann trotzdem am Sonntag Abend nochmal gebraucht. Als typische Nebenwirkung führt die Packungsbeilage übrigens Müdigkeit auf. Hmm, stimmt! Kann ich bestätigen. Zumindest hat die Müdigkeit dafür ausgereicht, dass ich am Montag wohl meinen Wecker überhört haben muss.

Als ich halb 10 von allein wach geworden bin, hab ich beschlossen, dass es viiiel zu spät ist, um noch ins Krankenhaus zu gehen, hab stattdessen ganz in Ruhe gefrühstückt und bin zum Australian Museum gefahren. Auch das hat sich wieder einmal als großartige Entscheidung herausgestellt. War insgesamt über 5 Stunden dort und habe mein Wissen über die Aborigines, Skelette und die noch lebenden sowie bereits ausgestorbene Tierwelt Australiens erweitert.


Eines der Highlights war dieser Geselle hier:


Das größte jemals lebende Beuteltier und gleichzeitig ein entfernter Verwandter meines australischen Lieblingstiers - dem Wombat. Übrigens: Wombats sind nicht nur zum Knutschen süß, sondern auch noch kleine Panzer, die sämtliche potentielle Eindringlinge einfach zwischen ihrem Hinterteil und der Decke ihrer Höhle zermalmen. Und absolut großartig: sie kacken würfelförmig! Wo gibt's denn bitte sowas??! :D

Tja, nicht nur von den Wombats muss ich mich verabschieden, sondern auch von all den tollen Leuten, die ich hier getroffen hab. Und so springe ich momentan von einer Party zur nächsten...

Freie Getränke und Thaifood inklusive Feuershow (und offentsichtlich guter Laune) im CBD,...


...Livemusik im Bondi Beach Road Hotel,...


...eine lange Nacht in Newtown (noch mit Oli und seinen Leuten aus Westmead),...


...nächtliche Stadtwanderungen von einer Bar zur nächsten auf der Suche nach einem Ort zum Feiern (mittwochs anscheinend selbst in einer Stadt wie Sydney nicht ganz einfach)...


... und ein letzter Abend mit Rebecca, die eine wundervolle "Vorgesetzte" war, mir immer wieder Kaffee und außerdem das beste chinesische Essen aller Zeiten spendiert hat und mich zu guter Letzt auf die "End of Term-Party" der RPA-Assistenzärzte in einem der schicksten Clubs Sydneys eingeschleust hat.


Am Mittwoch war's dann Zeit für den obligatorischen Abschiedskuchen. Habe mich das erste Mal an Eierschecke versucht, weil das der einzige für Dresden typische Kuchen war, der mir eingefallen ist. Musste allerdings etwas improvisieren, weil es ja scheinbar nirgendwo auf der Welt außer in Deutschland Quark zu geben scheint. Jedenfalls wars wohl nicht sooo schlecht...


Und damit komm ich zum Ende. Werde an diesem letzten Wochenende noch so viel Sydney in mir aufsaugen, wie irgendwie möglich und dann hoffentlich pünktlich am Montagmorgen vom Public Viewing am Darling Harbour, wo auf schwimmenden Leinwänden das WM-Spiel Australien-Deutschland ausgestrahlt wird, weg kommen, um wahrscheinlich völlig erschöpft, übermüdet und ein klein wenig wehmütig ins Flugzeug nach Hause zu steigen.

Ich hatte eine großartige Zeit und Sydney hat sich alle nur erdenkliche Mühe gegeben, sich für immer einen festen Platz in meinem Herzen zu verdienen. Mit Erfolg!

DANKE



(Zum Abschluss noch ein paar Eindrücke vom VIVID Sydney Festival - Circular Quay, St Mary's Cathedral und Opera House)