Da wäre einmal die Zeit... Am Montag ging's um 10 los. Treffpunkt war das Büro der Elective Koordinatorin in der Central Clinical School des Krankenhauses. Erstmal Respekt an die gute Frau! Sitzt zusammen mit zwei Kolleginnen in einem Loch von Büro mit fleckigem Teppich, Löchern in der Decke und völlig ohne jegliches Tageslicht und schafft es dann noch super freundlich zu sein und sich fast aufopferungsvoll um die ausländischen Studenten zu kümmern. Die scheinen übrigens bis auf wenige Ausnahmen fast alle aus Deutschland zu kommen. Die reinste Invasion. Ich hatte es ja schon geahnt...
Außer mir waren noch ein Mädel aus Malaysia und 3 andere Deutsche dort und haben sich auf die verschiedenen Stationen verteilen lassen. Da Colin McLeod (Ich liebe diesen Namen!), der Arzt, der eigentlich für mich verantwortlich sein soll, wohl für ein paar Wochen im Ausland weilt (Ist wahrscheinlich vor den Deutschen geflüchtet...), hat das bei mir etwas länger gedauert. Dann wurde ich schließlich von Simon abgeholt und mit auf die Station 10 West 1 genommen. Ist irgendwie alles etwas verwirrend... Ebendiese Station teilen sich neben meiner Abteilung für Infektionserkrankungen auch noch die Immunologie und die Plastische Chirurgie. Das bedeutet allerdings keineswegs, dass alle entsprechenden Patienten auch dort liegen. Ich glaube, im Durchschnitt waren in der letzten Woche so etwa 2 bis 3 unserer Patienten tatsächlich auch auf unserer Station untergebracht.
Den Rest sucht man sich auf der Visite im ganzen Haus zusammen. Ein paar auf den Etagen 6, 7 und 8 und einige noch am warten auf ein leeres Stationsbett in der Notaufnahme oder aber auf der Intensivstation im 3. Stock. Ich sag's ja: verwirrend. Hat aber den Nebeneffekt, dass die australischen Ärzte alle super fit und sportlich sind... :)
Zu meinem Team gehören normalerweise 3 Consultants (sowas wie Oberärzte), 2 Registrars (Ärzte in Facharztweiterbildung) und 1 Resident (Assistenzärzte, die schon mindestens 1 Jahr gearbeitet haben und mehr oder weniger die Stationsarbeit machen). Von den Consultants habe ich bisher nur Dr. Benn kennengelernt, der leider leider leider am Freitag seinen letzten Tag hatte und jetzt die Rente genießt. Total lustiger älterer Herr, der sogar schon mal in Dresden war ("Das war aber noch zu Kommunismuszeiten. Da gab's noch keine Hotels und ich musste in einer Jugendherberge übernachten. Muss so ungefähr 15 Jahre her sein...") und allen Patienten fröhlich erzählt hat, dass ich aus Dresden komme, er auch schon mal da war und gefragt hat, ob sie selbst denn auch schon mal da gewesen seien. Und dann hat er sich ihre merkwürdigen Ausschläge angesehen, in 50% der Fälle gemeint, wir wüssten auch nicht genau, woher das und auch das Fieber kommen würden, würden sie aber trotzdem heute entlassen, weil es ja schon viel besser geworden sei. Der Rest der Patienten bekommt Antibiotika... Nee, aber mal ehrlich. Scheint nicht so ganz ohne zu sein, diese Abteilung. Nicht umsonst gibt es hier keine Interns
(Assistenzärzte direkt nach dem Studium, die alles das machen, wozu kein anderer Lust hat - vielleicht so n bisschen wie bei uns die PJler) wie auf anderen Stationen... Trotzdem hatte Dr. Benn immer gute Laune und hat sich Zeit genommen, mir alles nochmal genau zu erklären. Nächste Woche kommt wohl der 2. Consultant von irgendnem Kongress in Österreich zurück und irgendwann wird wohl auch Dr. McLeod (Hab ich schon gesagt, wie toll ich diesen Namen finde?) wieder auftauchen.
Die beiden Registrars, Simon und Jordan sind auch sehr nett. Simon macht meistens die Sprechstunden in der Ambulanz, die Konsile für andere Abteilungen und geht nachmittags mit den Consultants auf die "Consultant rounds". Das sind dann im Prinzip auch Konsile, für die aber extra Consultants angefordert werden, weil sie ein bisschen komplizierter sind. Jordan ist mehr für die Station (inkl. der überall im Haus verteilten Patienten, die eigentlich zu unserer Station gehören sollten) verantwortlich. Nebenbei lernt er für irgendeine Prüfung, die er wohl demnächst hat, wobei ich noch nicht so ganz durchsehe, wann und wie oft man hier welche Prüfungen machen muss...
Und das absolute Highlight des Ärzteteams ist für mich Rebecca, unser Resident! Oli hatte mich ja schon vorgewarnt, dass die Ärztinnen hier unheimlich hübsch seien. Und er hat echt untertrieben!!! Okay, zur Verteidung der heimischen Kollegen sei gesagt, dass es natürlich auch viel einfacher ist gut auszusehen, wenn man statt weißer Riesenhose und Einheitskittel ein kleines Schwarzes und dazu rosa Seidenballerinas als Arbeitskleidung tragen darf... ;) Jedenfalls ist Rebecca wunderschön, supernett und absolut verständnisvoll, was die Bedürfnisse von ausländischen Medizinstudenten angeht... :)
Am Montag, Dienstag und Donnerstag war ich jeweils 3 Stunden in der Klinik, Mittwoch dafür lange (7 1/2 Stunden, woraufhin Jordan gleich meinte, er wüsste ja, dass das meine erste Woche sei, aber ich müsste wirklich nicht jeden Tag kommen und wenn mir mal so ist, wie zu Hause bleiben, würde das niemanden stören) und am Freitag bin ich nach 6 Stunden gegangen.
Und über zu viel Stress und Arbeit muss ich mich auch nicht beklagen! Hab in 5 Tagen 3mal Blut abgenommen und war ansonsten vor allem damit beschäftigt, mich auf den Wanderungen durchs Krankenhaus auf der Suche nach diversen Patienten und Besprechungszimmern nicht zu verirren. Was nicht ganz einfach ist, wenn man bedenkt, dass das Erdgeschoss beispielsweise als 5. Stock gilt... Und manchmal ist man nicht mal im eigenen Krankenhaus.
Freitags gibt es immer ein Meeting verschiedener Infektiologen im Balmain Hospital (anderer Stadtteil), zu dem mich glücklicherweise Simon mit dem Auto mitgenommen hat. Dort gab's erstmal lecker Frühstück und dann ein paar Fallvorstellungen mit Diskussion. Achso, können wir bitte in Dresden auch einführen, dass es zwischen 2 Vorlesungen immer ein Buffet mit Sushi, Sandwiches, Obst und Kuchen gibt? Das steigert die Motivation ungemein! Hab ich am Mittwoch bei der Internweiterbildung gemerkt... :)
Insgesamt denke ich, dass das hier ganz interessant werden könnte. Vor allem, weil die Patienten sich doch etwas von den vergleichsweise fast provinziell wirkenden Dresdnern unterscheiden. Haben unheimlich viele HIV-Patienten, von denen ein recht großer Teil iv-Drogenabhängig ist oder zumindest war... Das kommt ja im heimeligen Sachsen doch eher selten vor.
Aber überarbeiten werde ich mich wohl eher nicht. Simon meinte am Freitag auch, das letzte Wort habe zwar Dr. McLeod, aber er glaube nicht, dass es ein Problem wäre, wenn ich mal ne Woche frei nehme und ein bisschen herumreise... :)
Abgesehen davon habe ich mich in dieser Woche mal todesmutig als Fahrradfahrer auf die Straßen von Sydney gestürzt. Und ich kann nur sagen: Böse Hügel! Linksverkehr! Fahrradunfreundlichste Stadt der Welt! Aaaaaah! Aber ich habs überlebt und ja Mama, ich fahr sogar mit Helm - leuchtend rot, etwas peinlich, aber hoffentlich zu meinem schadenfreien Überleben des Verkehrschaos beitragend. Das Fahrrad habe ich Nik zu verdanken, der immer montags in ner gemeinnützigen Fahrradwerkstatt arbeitet. Dort werden gefundene oder gespendete Räder wieder fahrtüchtig gemacht. Normalerweise muss man das selber machen, darf das Fahrrad dann aber dafür kostenlos mitnehmen. Naja, ich sag's mal so...
Ich bin nicht wirklich fit im Fahrrad basteln. Hätte es wahrscheinlich alleine grad so geschafft, die Luft aufzupumpen. Was nicht viel gebracht hätte, weil ein Reifen platt war, wie wir am nächsten Tag bemerkt haben. Also hieß es am Dienstag dann nochmal ran und ich hab Beleuchtung, Schloss, Helm und Flickzeug gekauft und bin nochmal zu Nik.
Haben danach noch lecker gegessen und waren mit ein paar Freunden von Nik im Kino. Und danach bin ich mit meinem nigelnagelneuen supertollen Fahrrad heimgestrampelt.
Am Mittwoch war ich dann wieder mit Oli unterwegs. Sind im Sonnenuntergang über die Harbour Bridge gelaufen, haben dann auf der anderen Seite der Bucht am Ufer eines total hübschen Stadtteils mit dem lustigen Namen Kirribilli gesessen und die Aussicht genossen. Danach gab's lecker Essen in China Town und dann ging's heim.
Donnerstag morgen ist mir dann direkt vor der Klinik mein Fahrradschloss auseinander gefallen... Toll!
Hab also nachmittags ein neues, viel besseres für einen Dollar mehr gekauft und bin danach los um mein Viertel zu erkunden. Und das ist ja mal sowas von schön! Ich laufe echt nur 5 Minuten und bin direkt in einer hübschen kleinen Grünanlage am Wasser. Warum liegt Dresden eigentlich nicht am Meer??? Will das auch zu Hause haben!
Freitag war Oli wieder da und wir waren erst in Newtown spazieren und haben Stunden in nem Buchladen verbracht, um danach das allerbeste Thaifood zu genießen, was ich je gegessen hab! Super lecker und unschlagbar billig!!!
Am Samstag sind wir nach Paddington gefahren/gelaufen, weil Oli gern den dortigen Markt ausprobieren wollte. War für ihn allerdings eher enttäuschend, weil es fast nur Mächenklamotten gab und alles, was nicht in die Kategorie Kleidung gehörte auch eher den weiblichen Kundenkreis angesprochen hat. Aber dafür gab's lecker Frühstück und danach sind wir noch ein bisschen durch die Straßen des Viertels spaziert. Tja, und da war es auf einmal. Das tollste Kleid der Welt! Habe spontan entschlossen, dass ich doch irgendwann heiraten muss, um eine passende Gelegenheit zu haben, dieses Kleid anzuziehen. Ist zwar nicht weiß, aber dafür einfach nur toll! Habe mich gefühlt wie eine Elfe und wollte es eigentlich gar nicht mehr ausziehen. Die beiden Verkäuferinnen wollten Oli überreden, mir direkt im Laden einen Heiratsantrag zu machen und haben sich auch nicht von der Großartigkeit ihres Vorschlags abbringen lassen, als wir gemeint haben, wir wären eigentlich gar kein Paar... Egal, meinten die! Oli war dann einverstanden, mir den Antrag zu machten, sobald ich das Kleid gekauft hab, weil er befürchtet hat, sonst müsste er es womöglich bezahlen. Und das ist auch echt n Problem! Es ist furchtbar teuer! Und ich habe beschlossen ganz schnell ganz viel Geld zu verdienen, damit ich mich wie eine Elfe fühlen kann! Gott, das ist ganz schön Mädchen, ich weiß... Aber trotzdem! Habenwill!!! Habe dann etwa 3 Stunden über nix anderes gesprochen und nicht nur Oli, sondern auch Elisabeth, mit der wir uns dann am IMAX im Darling Harbour getroffen haben, damit genervt.
Naja, um euch nicht auch alle noch zu vergraulen (nur ein letzter Kommentar dazu: Wer immer meine Elfen-Karriere unterstützen möchte, sei herzlich dazu eingeladen! ;)), Themenwechsel. Haben auf der angeblich weltgrößten 3D-Leinwand der Welt einen sehr lustigen Film geschaut: "How to train your dragon" (deutsch, glaube ich, "Drachenzähmen leicht gemacht" oder so ähnlich). Danach haben wir beschlossen, dass wir unbedingt jeder einen Drachen brauchen und es viel cooler wäre auf sowas nach Hause zu reiten, als mit nem blöden Flugzeug zu landen...
Elisabeth ist dann trotzdem zum Flughafen gefahren, weil sie eine Freundin in Melbourne besuchen will und Oli und ich sind nochmal zu mir und haben uns ein bisschen ausgeruht. Halb 10 sind wir dann Hals über Kopf losgestürzt, weil wir vorher leider nicht mitbekommen hatten, dass Niks Vorglühparty schon um 9 angefangen hatte. Waren aber noch halbwegs rechtzeitig da und haben uns dann in größerer Gruppe auf den Weg zu einer halbillegalen Party in nem alten Lagerhaus gemacht. Und das war total cool. Viele lustige Menschen, am Eingang gab's für jeden ne Maske (gruselig, hab sie nicht aufgesetzt, ein bisschen wie aus "Scream"), Oli hat sich gefreut, dass er drin rauchen durfte (draußen rauchen hätte wohl die Polizei auf den Plan gerufen) und das beste war: Getränke hat jeder selbst mitgebracht, seinen Namen drauf geschrieben und an der Bar abgegeben. Wenn man Durst hatte, ist man einfach zur netten Barfrau gegangen und hat gesagt: "Einmal Steffi, bitte!" Sehr praktisch! Auch das bitte in Dresden übernehmen!
Irgendwann hatte der Oli dann genug (getrunken ;)) und wir sind (beide zugegebenermaßen nicht ganz nüchtern...) durch die Straßen von Sydney nach Hause gestolpert. Und das hat ganze 1 1/2 Stunden gedauert. Leider war das wohl der Augenblick für den ersten Regen, den ich hier in Australien erleben sollte. Und leider kam gerade in diesem Moment kein Bus. Und leider hat der Oli irgendwie sein Geld verloren und meins hat nicht mehr für ein Taxi gereicht. Mmmhhh...
Den Sonntag hab ich dann größtenteils im Bett und auf dem Sofa verbracht. Sind nur kurz zum Frühstücken draußen gewesen und dann ist der Oli nach Hause gefahren.
Heute ist Anzac-Day und damit Feiertag. Eigentlich soll das wohl ein Gedenktag für die australischen Soldaten im ersten Weltkrieg sein, aber irgendwie scheinen dabei Rugby und Münzen werfen auch eine nicht unwichtige Rolle zu spielen... Naja, muss zugeben, dass ich mich weniger mit den genauen Hintergründen und Feierlichkeiten beschäftigt hab.
Freu mich einfach über das lange Wochenende und werde gleich nach Balmain fahren, um mich da mal ein bisschen genauer umzuschauen...
Ihr alle seid ganz lieb gedrückt!!!

Ornneeee hatte grad nen super text und dann war er einfach wieder weg. Also noch ein Mal :)
AntwortenLöschenCoole Brillen, coole Partys - klingt nach echt ner Menge Spaß. Alles was mit dem Wort,das mit S beginnt und ß endet, ist derzeit knapp bemessen. Es beruhigt mich zu wissen, dass ihr es dafür richtig krachen lasst. Und dafür kann ich mir dann im Sommer mehr Zeit für die schönen Dinge nehmen (so jedenfalls mein Plan).
Kannst mir übrigens auch gern so nen Wombat mitbringen - echt zum niederknutschen. Fühl dich riesig gedrückt und drück den Oli mal von mir bitte.
:* :* :*