Bis es soweit ist, soll es aber doch nochmal ein paar Nachrichten aus dem Land der Elche und Wikinger geben. Erstere hab ich immernoch nicht gesichtet - nur indirekt, wenn man wieder ein Patient in die Notaufnahme gekarrt wird, der im Auto sitzend mit 'nem Elch auf Tuchfühlung gegangen ist und dabei den Kürzeren gezogen hat. Oder in der Kühltruhe im Supermarkt! Die Wildsaison ist nämlich eröffnet und damit gibt es auch wieder frisches Elchfleisch. Würde mal sagen: Geschmackssache! Aber wer Wale ist... Um die Ehre der Norweger zu retten: Es gibt auch einige kulinarische Traditionen hier oben, die ich sehr ins Herz geschlossen habe! So zum Beispiel Lefse in dicker und dünner Version (süßes Gepäck, meist gefüllt mit ner Zucker-Butter-Zimt-Creme), Vafler (heiße Waffeln mit Marmelade, gibt's nach wie vor jeden Freitag im OP), Brunost in den Version Ekter Geitost/ Gudbrandsdalost/ Fløtemysost (karamellisierter Käse, super lecker auf frischem Brot, hab schon gegoogelt, wo man den in Deutschland kaufen kann - Hamburg ist dabei!) und und und...
An dieser Stelle ein kurzer Rückblick ins Jahr 2007: Klein-Steffi kommt nach einer 4wöchigen Famulatur in Norwegen zurück nach Dresden. Im Gepäck: 3 Kilo extra. ;)
So, genug von den Essgewohnheiten der Norweger (und der Steffi). Wir sind ja schließlich nicht zum Spaß hier! Sondern zum Lernen und Arbeiten! Im Krankenhaus!
Ein Blick auf den Wochenend-Dienstplan verrät: KAM-Fest am Samstag auf dem Dach der örtlichen Brauerei. KAM bedeutet dabei Klinikk for Akutt Medisin - bestehend aus Notaufnahme, Intensiv- und Operationsabteilung. Und Fest hat der ein oder andere vielleicht schon mal gehört. Um die Angestellten bei Laune zu halten, erhält jede Abteilung von der Krankenhausleitung einen gewissen Geldbetrag (und wir sprechen hier von 4stelligen Eurobeträgen!) zur freien Verfügung. Dann wird herumgefragt, was man damit machen könnte (Ausflug nach Schweden, Gokart fahren oder eben feiern) und die Angestellten organisieren die entsprechende Gemeinschaftsaktivität.
Vibeke Hegge - "Ratgeber" der chirurgischen Klinik und damit u.a. zuständig für die Praktikanten
Die Belegschaft tanzt - geübt wurde vorher regelmäßig in OP 1
OP-Schwester Lene hatte für den Abend die grüne Haube gegen ne Glitzerperücke getauscht (und mir letzte Woche für meine restliche Zeit hier ihr Fahrrad zur Verfügung gestellt :D )
Fazit: ein super lustiger Abend mit leckerem Essen, Bauchtanz, MadCon-Choreographie tanzender Belegschaft, ausgiebigen Verbrüderungsritualen kreuz und quer zwischen Ärzten, Schwestern und Verwaltungspersonal und viel viel Rotwein.
Ich bin danach noch mit Mehdi und Yousef, zwei Radiologen, die ich mal bei unserem Grillen vorm Haus kennengelernt habe, weiter gezogen. Es wurde spät! Aber dank der beiden war ich dann 2 Tage später das erste Mal in meinem Leben Squash spielen. Hatte bisher immer ein bisschen Schiss davor - Danke liebe Augenärzte der Uniklinik Dresden! Dank fieser Geschichten von Blow out-Frakturen des Augenhöhlenbodens, die immer (!) einen Squashball beinhalteten, habe ich mich bisher davor gescheut. Aber: macht super viel Spaß und ich suche hiermit nach willigen Mitspielern in Dresden!
Zum Abschluss des Wochenendes gab's dann übrigens auch noch ein bisschen Live-Musik auf dem Skiener Festplatz. Jährlich zum Ende des Sommers hin findet hier alles mögliche gleichzeitig statt: Handelsmesse, Rummel und eben Konzerte.
Steffi und Yousef (übrigens mal wieder Multikulti in Extremo: Sohn einer Christin und eines Moslems, geboren in Rumänien, aufgewachsen in Israel, in Ungarn studiert... - Mann, bin ich langweilig!) auf dem Handelstorvet
... naja, nicht so ganz... Aber eins stimmt: Iselin - meine ganz persönliche Norwegisch-Lehrerin ist wirklich inzwischen abgereist. Zurück ins ferne Slowakistan, wie sie es liebevoll nennt. Das neue Semester hat gerufen, scheint aber wohl nicht sooo anstrengend zu werden. Ende Oktober wollen Iselin und ihr Freund Martin mich nämlich erstmal in Dresden besuchen kommen! Pünktlich zur Medizinerparty - man könnte es also auch als internationale Fortbildung bezeichnen... ;)
Sooo, und jetzt wirklich nochmal zum Krankenhaus. Habe schließlich die letzten 4 Wochen in der Orthopädie und Unfallchirurgie verbracht und das soll alles andere als unerwähnt bleiben. Kann nämlich voller Überzeugung behaupten, dass mir das bisher am meisten Spaß gemacht hat. Die Knochendoktoren sind echt mit Abstand die sympathischste Spezies der Skiener Chirurgenriege! Die Zeit ist wie im Flug vergangen und ich habe reichlich Überstunden angesammelt - zu dumm, dass man die als PJler nicht bezahlt bekommt... Aber dafür habe ich aus- und eingekugelt, genäht, geknüpft, das erste Mal selbst das Skalpell angesetzt (und einen gutartigen Hauttumor am Knie entfernt, der laut pathologischer Untersuchung dann doch nicht gutartig war!), alle möglichen Prothesen kennengelernt und (das Wichtigste!) traue mir inzwischen außerdem zu, halbwegs weiter zu wissen, wenn der liebe Marathon-Ulf mal wieder ein Problemchen mit seinem Knie hat! Danach fragt er ja schließlich seit dem ersten Semester... Zumindest dafür hat sich mein Norwegen-Ausflug also gelohnt! ;)
Die kleine deutsche Kommune in Skien hat übrigens Nachwuchs! Seit 4 Wochen sind Denise und Philipp hier - auch für's PJ. Er im eine Stunde entfernten Tønsberg (wohnt aber mit Denise hier auf dem Moflateveien) und sie mit mir in Skien. Und wo studieren die beiden? In Leepzsch! Nu sowas!
Also 2 mehr, die für Film- und Kochabende, Volleyball, Weggehen und so weiter zur Verfügung stehen! :)
Und die die Stellung halten, wenn ich abgereist bin. Bis dahin ist es nicht mehr lange und die Pläne für meine letzte Woche hier oben stehen inzwischen fest. Die Hotels in Bergen und Oslo sowie die Zugtickets sind gebucht und ich freu mich riiiiiiiiiiiesig auf meine beiden Mitreisenden!!!
Bis dahin geht's nochmal für 3 Wochen in die Urologie - große Hafenrundfahrt (ihr wisst schon, was ich meine...), ich komme!
Außerdem haben sich Carola und Stefan für Ende der Woche angekündigt und wir haben vor, die nähere Umgebung noch etwas zu erkunden... Ich freu mich!!!
