Mittwoch, 21. Juli 2010

"Nordpaket" zu gewinnen

... das heißt soviel wie Steffi will Post! :)

Die brauche ich nämlich, um mich in meiner kleinen Standard-Krankenhaus-Personal-Wohnung noch ein bisschen gemütlicher einzurichten. Bisher hängen 2 Rollen Geschenkpapier (jaja, Improvisation ist alles!) an der Wand. Eine davon ist mit Postkarten und Fotos von daheim beklebt - allerdings nur zur Hälfte. Und da das 1. komisch aussieht, 2. die andere Rolle noch komplett leer ist und 3. ich einfach gern Post bekomme, bitte sehr:


Was hat sich da wohl im norwegischen Wald versteckt?



Antworten bitte umgehend an:
Stefanie Schulze
Moflateveien 4-103
3733 Skien
Norway

Der kreativste, lustigste und der richtigen Lösung am nächsten kommende Teilnehmer darf sich auf eine leckere (!) Überraschung zusammen mit allerliebsten Dankeszeilen meinerseits freuen.

Und sorry Clara, aber du darfst leider nicht mitmachen... :)

Dienstag, 20. Juli 2010

Oslo riecht nach frischem Toast mit Butter

... ist echt wahr! Ihr könnt die Clara fragen! Die war nämlich jetzt ganze 9 Tage hier bei mir und war damit nicht nur mein erster Besucher sondern wird wahrscheinlich auch den Preis für den längsten Aufenthalt hier gewinnen. Gestern war es dann soweit - der Flug in die Heimat stand an, aber weil der erst abends um 7 gehen sollte und man schließlich (so... äh... aufregend Skien auch sein mag...) nicht in Norwegen gewesen sein kann ohne Oslo gesehen zu haben, habe ich mir einen freien Tag gegönnt und die Clara in die Hauptstadt begleitet und das bisschen Erinnerung herausgekramt, auf das ich nach dem Silvesterausflug mit Caro vor inzwischen mehr als 3 Jahren noch zurückgreifen konnte.

Aber von Anfang an...
Am letzten Samstag (dem Tag des Spieles um Platz 3) sollte Clara ankommen - ausgerüstet mit einer schon fast peinlich detaillierten und herzergreifend mütterlichen Wegbeschreibung, die ich ihr per Mail zukommen lassen habe und die vom Ausgang des Flugzeuges über Ankunftshalle, ersten Geldautomaten und Bahnsteig bis hin zu allen Umsteige-Eventualitäten keinen einzelnen Schritt unkommentiert gelassen hat.


Während Clara also irgendwo zwischen Dresden und Skien gesteckt hat, habe ich mir die Wartezeit mit Iselin und Steinar vertrieben und das hervorragende Wetter dazu genutzt die örtlichen Strände mal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.
Nur soviel: 18°C Wassertemperatur fühlen sich nur halb so kalt an, wenn man direkt rein springt anstatt sich Stück für Stück vorzutasten! ;)

Steinar hat mir dann netterweise auch sein Auto geliehen, so dass uns die Wahl zwischen dem nicht wirklich preisgünstigen Bus und einer Wanderung mit Claras schwerem Gepäck (inkl. 2 Flaschen Martini in guter alter WG-Tradition und einer frischen Lieferung "handmade cosmetics" für die Gastgeberin) durch ganz Skien erspart geblieben ist.
Und so hatte Clara genug Zeit sich an das viiiiiiiel angenehmere Sommerklima hier zu gewöhnen, bevor es für das letzte Deutschlandspiel der WM und eine anschließende Nachtwanderung durch die unglaublich wilde und abwechslungsreiche Partyszene Skiens wieder ins Zentrum ging.

Skien bei Nacht

Die Tage darauf haben wir mit (mehr oder weniger freiwillig) langen Wanderungen durch die Umgebung, Volleyball spielen und in der Sonne faulenzen verbracht. Außerdem haben wir tonnenweise norwegische Süßigkeiten in uns hineingestopft, was mich so ein bisschen an das Souvenir erinnert hat, das ich das letzte Mal mit aus Norwegen zurück nach Dresden gebracht habe - 3kg mehr auf der Waage! Mmh, 3kg in 4 Wochen macht also wieviel in 4 Monaten? Ihr dürft euch also ab Oktober auf gaaaaaanz viel Steffi freuen! ;)


Skien Fritidspark


(Pfefferkuchen-) Haus und (Knusper-) Hexe


Unser Zufallsfund - das Gefängnis von Skien.
Der Fluchtwagen steht bereit...


Nach Dienstschluss wird in der Chirurgie auf größere Werkzeuge umgesattelt...


Grillabend vor dem Angestellten-Wohnheim

Je später der Abend, desto lustiger die Gäste


Letzten Freitag durften wir uns dann als echte Norweger fühlen. In Langesund, einem hübschen kleinen Ort an der Küste mit ganz vielen weißen Holzhäusern, haben "Postgirobygget" gespielt - die Band, die jeder Norweger nennt, wenn er nach DER Musik für den Sommer gefragt wird. Demnach ist es gute alte Tradition, dass sich pünktlich zur schönen Jahreszeit Wikinger aller Altersklassen in Bewegung setzen und aufgetankt mit guter Laune und 'ner Portion kaltem "øl" jede einzelne (norwegische) Textzeile mitzugrölen, die die Herren auf der Bühne vor ihnen zum besten geben. Und die Begeisterung über dieses Gemeinschaftserlebnis teilt der Norweger nur zu gerne mit Besuchern von außerhalb!

Postgirobygget in Langesund

Inklusive spontaner "Freundschaften"


Norwegische Sommernächte - nachts halb 2 in Porsgrunn


Tja, und jetzt musste ich die Clara wieder abgeben... Aber glücklicherweise erst nach 7 gemeinsamen Stunden in Oslo - inklusive gefühlten 47km zu Fuß, neuen Entdeckungen, dem ein oder anderen Wiedersehen und leckerem Kaffee.
Schön war's, Clara! :*

Die neue Oper in Oslo

Klein-Clara auf der Karl Johans Gate

Kunst im Frognerpark


Und jetzt heißt es für mich: endlich mal zeitiger schlafen gehen und jede freie Minute nutzen, mal endlich was für meine Doktorarbeit zu machen, bis in nur 1 Woche und 2 Tagen der nächste Besucher an die Tür klopft. Hat gestern schon mal super geklappt - nach 'nem spontanen Filmabend habe ich um 1:41 Uhr das letzte Mal auf die Uhr geschaut... :)

Sonntag, 4. Juli 2010

Hvordan man skreller reker - Wie man Garnelen schält

Die ersten 2 Wochen in Skien sind um und es wird mal wieder Zeit für einen kleinen Lagebericht. Die Zeit ist schon wieder wie im Flug vergangen und ich war vor allem damit beschäftigt, mich im Krankenhaus zurecht zu finden, meine Wohnung so halbwegs wohnlich zu bekommen und mir so etwas wie ein Sozialleben zusammen zu basteln.

Ersteres war ja dank der Tatsache, dass ich vor gut 3 Jahren schon mal hier war, nicht ganz so schwierig. Mein Orientierungssinn ist zwar bekanntlich nicht der aller verlässlichste, aber weder Notaufnahme noch OP-Bereich haben sich großartig verändert. Neu ist das viele Grün auf und um das Krankenhausgelände - das letzte Mal war ich ja pünktlich zum Mega-Schneechaos hier.

Vor dem Haupteingang zum Krankenhaus

Und viel Grün gibt's auch im Inneren, denn nachdem ich 4 Monate Innere Medizin mehr (in Dresden) oder weniger (in Sydney) hinter mich gebracht habe, befinde ich mich ja nun im Chirurgie-Tertial. Und da es überraschend gut klappt meine etwas eingerosteten Norwegisch-Kenntnis wieder hervorzuholen, bin ich recht optimistisch hier tatsächlich etwas zu lernen. An meinem ersten Tag habe ich von der Praktikumskoordinatorin einen Plan bekommen, wann ich in welcher Abteilung eingeteilt bin. Los geht's mit 3 Wochen Notaufnahme. Dort hängt man sich als Student einfach an den dienst habenden turnuslege.
In Norwegen gibt es nach wie vor so etwas wie die ehemalige AiP-Zeit in Deutschland, den so genannten turnus. Das bedeutet im Groben, dass man direkt nach Abschluss des Studiums eine Nummer zieht und dann alle, die sich um einen turnus-Platz beworben haben entsprechend der Reihenfolge ihrer Nummern aussuchen dürfen, an welchem Krankenhaus in Norwegen sie die Zeit absolvieren wollen. Los geht's mit jeweils 6 Monaten Chirurgie und Innere, danach muss man für weitere 6 Monate in einer kommunalen legevakt (Allgemeinarztpraxis) arbeiten und erst dann gilt man als vollwertiger Arzt und kann sich um eine Assistenzarztstelle bewerben.
Hat man als turnuslege Dienst in der Notaufnahme, hat man das Glück neben der Arbeit auch noch deutsche Medizinstudenten zu beschäftigen. Und wie macht man das am besten? Man lässt sie einfach das Gleiche machen, was man selbst tut. Das heißt für mich: Patienten annehmen, befragen, untersuchen, überlegen, welche weiteren Untersuchungen bestellt werden müssen und welche Behandlung dringend angefangen werden sollte. Dann das Ganze zuerst mit dem turnuslege, dann mit dem dienst habenden Assistenzarzt - bakvakt - besprechen und letztendlich noch ein innkomstjournal (Aufnahmebericht) schreiben.
Das klingt jetzt vielleicht alles nicht so super spannend, aber für mich ist es echt super - alles andere als langweiliges Zeit tot schlagen und dümmliches Hinterhertippeln und gleichzeitig 'ne super Möglichkeit mein Norwegisch zu verbessern! Aber dafür bin ich abends schon immer ganz schön fertig...
Wenn in der Notaufnahme nichts los ist, geh ich in den OP und versuche jede Chance zu nutzen ein bisschen was Praktisches zu machen. Das Gute ist, dass hier gerade die Ferienzeit angefangen hat und es deshalb immer mal an Assistenten fehlt und ich in dem Fall einspringen kann. Jaaaaa! Hab schon wieder ein bisschen Blut geleckt - also im übertragenen Sinn... ;)
Leider bedeutet Ferienzeit aber auch, dass natürlich viel weniger auf dem OP-Programm steht als normalerweise, was aber für die ersten paar Wochen hier vielleicht ganz okay ist.

Mein Freizeitprogramm ist momentan relativ Fußball lastig. Die Norweger interessieren sich glücklicherweise tatsächlich für die WM, obwohl sie selbst gar nicht dabei sind. Deshalb komme ich darum herum die Deutschlandspiele einsam und allein auf meinem Sofa anzuschauen. Ich würde zwar nicht unbedingt von Public Viewing sprechen, aber in der örtlichen Sportbar lässts sich's schon aushalten... :)

Fußball-WM im METS mit norwegisch-schwedischer, moralischer Unterstützung


Die meiste Zeit außerhalb des Krankenhaus verbringe ich mit Iselin, einer norwegischen Medizinstudentin, die eigentlich aus dem Nachbarort Porsgrunn kommt, in der Slowakei studiert und momentan auch zum Praktikum hier in Skien ist.
Neben Gesellschaft bei der WM, Kino, Pausen im Krankenhaus versorgt Iselin mich mit Lektionen in Alltags-Norwegisch, norwegischen Essgewohnheiten und einem ausfüllenden Wochenendprogramm.

Frische Garnelen vorher (oben) und nachher (unten) - üblicherweise mit Mayo und Zitrone auf Weißbrot


Letztes Wochenende haben wir mehr oder weniger ungeplant nach 'nem Spieleabend bei Freunden von Iselin übernachtet, deren Haus mitten im Wald steht. Sehr idyllisch! Blöderweise aber eben auch sooo abgeschieden, dass nachts kein Bus mehr fährt, der einen nach Hause bringen kann, wenn man selbst ohne Auto da ist und die Gastgeber nicht mehr nüchtern genug sind, um Chauffeur zu spielen. Aber es hat schon was um sich herum nur Wald zu haben und nachts um halb 3 ins Bett zu gehen (aus gegebenem Anlass gibt es in jedem norwegischen Haushalt nämlich mindestens ein Gästezimmer) und dabei den Sonnenaufgang und das erste Vogelgezwitscher des Tages zu genießen.

Dieses Wochenende haben wir dann damit begonnen, Steinar, einem der turnuslege, dabei zu helfen seinen neuen, riesigen, 3D-fähigen Fernseher aufzubauen und uns mit Pizza, typisch norwegischen Süßigkeiten wie beispielsweise bamsemums - in Schokolade gehüllte Marshmallows in Bärenform - dafür bezahlen lassen.

Perfekt ausgestattet für die Montage riesiger Plasmafernseher

Gestern hat uns Iselins Mama nach Sandefjord gefahren, einem kleinen Urlaubsort an der Küste (und gleichzeitig Heimat des Flughafens Oslo Sandefjord Torp) in dem Iselins Freund Martin wohnt. Kaum angekommen, wurden wir von Martins Eltern mit einer leckeren Fischsuppe, Miesmuscheln, Garnelen und Weißwein verwöhnt. Hätte nie gedacht, dass so viel Fischkram auf einmal soooo lecker sein kann! Mmmmmhhhhhhhh...

Später ging's dann zu 'nem Freund von Martin, der kürzlich bei der Wette, er könne schneller von Oslo nach Trondheim radeln - etwa 500km - als ein Freund, eine Kiste Champagner gewonnen hat. So ein Sieg muss natürlich ordentlich gefeiert werden und so bin ich das erste Mal in den Genuss einer norwegischen Party gekommen - inklusive tanzen im Regen auf der Terrasse, einigen tiefen Blicken in diverse Gläser und 'nem nächtlichen Bad im Whirlpool.

Hyttefest med Iselin og Martin


Dementsprechend war der heutige Tag dann etwas - äh - träge... Haben das tolle Wetter genossen und ich habe herausgefunden, dass man auch in Norwegen braun werden kann und das norwegisches Eis am norwegischen Strand unheimlich lecker schmeckt!

Am Strand von Sandefjord

In nur einer Woche startet dann auch schon die große Besucherwelle. Den Anfang macht Clara, Ende Juli kommt dann Franzi und wird dann direkt von Omi und Opi abgelöst.
Das heißt für mich fleißig Pläne schmieden und mich darauf freuen noch ein bisschen mehr von Norwegen zu sehen! Yippie!