Aaaaaah - wie konnte das denn passieren? Schon Halbzeit! Und ich hab's fast nicht gemerkt...
Tja und so langsam muss ich mir wohl Gedanken machen, was ich noch alles sehen will und wann ich das machen soll, bevor es wieder nach Hause geht. Was Sydney angeht, werde ich wohl in den letzten 2 1/2 Wochen noch genug Zeit haben. Bis dahin geht's jetzt erstmal auf Tour...
Habe ja doch schon letzte Woche meinen Supervisor kennen gelernt, von dem ich dachte, er wäre noch mindestens 2-3 Wochen unterwegs, weil mir irgendwie keiner in diesem Krankenhaus sagen konnte, wann er zurück kommen würde. Eigentlich war deshalb mein Plan, einfach Flüge zu buchen, erst zurückzukommen, wenn er wieder da ist, und mich darauf zu verlassen, dass Rebecca, Simon und Jordan den offiziellen Erlaubnisteil übernehmen... Naja, wär wohl zu einfach gewesen. Jedenfalls musste ich Dr. Macleod dann wohl oder übel doch direkt fragen. Und auch wenn alle sagen, dass die Australier Reisepläne während des PJs eher unterstützen als Probleme damit haben - ich hab da inzwischen auch schon Gegenteiliges gehört! Und ich war echt aufgeregt!!! Also schön nochmal mit Rebecca durchgesprochen, was ich am besten sage... Sie wollte ihm außerdem versichern, ich wäre die interessierteste und engagierteste Studentin der Welt, falls er sich erkundigen sollte. Haben ausgemacht, dass ich ebenso in Lobeshymnen ausbrechen werde, wenn er mich nach ihren Fähigkeiten als Resident fragt. :)
Tja, und wie das immer so ist: Viel Lärm um nix! Hab am Freitag erstmal schön verschlafen und bin dann ganze 10 Minuten zu spät zum Treffen in Balmain gekommen (Ihr erinnert euch? Etwa 20 - 25 Infektiologen aus verschiedenen Krankenhäusern Sydney + Hammer-Frühstück + ne knappe Stunde Fallvorstellungen und Diskussion). Da waren aber glücklicherweise alle noch mit besagtem und wieder mal grandiosem Frühstück beschäftigt und Dr. Macleod hat sich erstmal in aller Form und in fast perfektem Deutsch bei mir dafür entschuldigt, dass es diesmal leider keinen Kaffee gibt. Naja, ich bin ja tolerant - hab ihm also verziehen und mein Vorhaben angesichts der Aussicht auf Bananabread, Müsli mit Joghurt, Scones (kleine fluffige Brötchenartige Teile) mit Marmelade und Sahnequark und leckeren O-Saft spontan auf das Ende der Veranstaltung verschoben.
Letztendlich hab ich etwa 30 Sekunden mit knallrotem Gesicht vor mich hingestammelt, um dann von ihm zu hören: "Klar darfst du frei nehmen, um noch ein bisschen zu reisen. Mach einfach, wozu du Lust hast! Ich muss nur wissen, ob du dann nochmal ins Krankenhaus zurückkommst oder ob du gleich wieder nach Deutschland fliegst..." Aha! Na dann...
Also haben Oli und ich sofort alles dingfest gemacht und den Campervan und die Flüge gebucht. Und morgen früh geht's los!!! :D
Der restliche Freitag war dann ebenfalls noch sehr angenehm. Eine der Mikrobiologie-Assistenzärztinnen - Genevieve - hatte ihren letzten Tag. Inzwischen ist sie bestimmt schon auf dem Weg mit dem Mountainbike quer durch die Schweiz und Österreich und schreit den halben Tag mit wunderbar australischem Akzent "Achtung!", "Aus dem Weg!" und "Weg da!"... Alle Ärzte meines Teams sind nämlich einstimmig der Meinung gewesen, Deutsch wäre eine wunderbare Sprache, um Leute anzuschreien und haben mich genötigt Genevieve kurz vor ihrem Trip noch schnell mit dem passenden Vokabular zu versorgen. Um den Abschied auch gebührend zu würdigen, haben uns unsere beiden Consultants Dr. Chan und Dr. Macleod zum Mittagessen in ein total stylisches Restaurant in Newtown - DEM Stadtteil für grandiose, internationale kulinarische Erlebnisse - eingeladen. Der Name war zwar etwas gruselig - Bloodwood - aber die Einrichtung echt originell und das Essen super lecker. Und noch dazu war es total witzig alle mal außerhalb des Krankenhauses zu erleben. Während Dr. Chan darauf bestanden hat, seinen Nachtisch für sich allein haben zu wollen - wir hatten 3 Trifles (typisch australische Süßspeise bestehend aus Marmelade, Obst, Kuchenteig und Vanillesoße) für 6 Personen bestellt - und dann auch noch die Reste der anderen aufgegessen hat (nur so nebenbei - wer mich halbwegs kennt, weiß, dass ich von meinem Trifle ganz bestimmt nix übrig gelassen habe, auch wenn ich Dr. Chan sehr schätze... ;)), hat Dr. Macleod schockierende Details aus seiner Studentenzeit zum Besten gegeben. Passend zum Namen des Restaurants übrigens... Studenten tun ja bekanntlich einiges, um ihre finanzielle Situation etwas aufzubessern und zufälligerweise wusste man vor etwa 30 Jahren noch nicht ganz so viel über Blutungen im Magen-Darm-Trakt und deren Erkennung und Therapie wie heutzutage. Was macht man also als wissbegieriger Forscher? Man führt eine Studie durch und bezahlt mithilfe großzügiger Pharmaunternehmen arme, bedürftige Medizinstudenten wie Dr. Macleod - damals noch ohne D und r - als Versuchskaninchen. Da die aber eher selten spontan im Verdauungstrakt bluten und man als Forscher ja nicht ewig auf Ergebnisse warten kann, bedient man sich einfach bei der Blutbank und serviert jeder der Versuchspersonen einen Becher frisch gekühltes menschliches Blut - je nach persönlichen Vorlieben gern auch gemixt mit Milch oder Coke - und lässt sie danach für 2 Wochen ihren Stuhl sammeln...
Also mal ehrlich, da war doch das bisschen Stechen in der Nase, dem ich meine Testpersonen ausgesetzt hab, mal gar nichts!!! Aber wie dem auch sei - Dr. Macleod hat's wohlbehalten überstanden und wir wissen jetzt alle, wie man gastrointestinale Blutungen zuverlässig erkennt. Danken wir also Dr. Macleod!
Als wir glücklich und allesamt völlig überfressen zurück auf der Station ankamen, waren alle in heller Aufruhr, weil einer unserer Patienten (180kg und ein Fan davon nur im typischen Krankenhaushemdchen und ohne Unterwäsche durch das gesamte Krankenhaus zu wandern, alle freundlich zu grüßen und unbedacht seine nackte Rückansicht zu präsentieren - der Rest sei eurer Fantasie überlassen) auf die tolle Idee gekommen ist, man könnte ja den Herzstillstand eines anderen Patienten dazu nutzen, mal eben dessen Portemonnaie zu klauen. Als die Herren von der Security es ihm wieder abnehmen wollten, hat er sich auf dem Klo eingeschlossen. Das war dann der Moment, als alle schleunigst in Deckung gegangen sind, weil der gute Mann nämlich unter anderem auch eine psychiatrische Grunderkrankung hat, die - wie uns der freundlicherweise von seiner Wohneinrichtung mitgegebene Polizei- und Krankenhausbericht netterweise vorwarnte - dazu führt, dass er in Stresssituationen gerne mal dazu neigt, seine Exkremente auf potentielle Angreifer zu werfen... Yeah, Action! Ist aber alles gut ausgegangen. Der Mann mit Herzstillstand hat überlebt und sein Geld zurück bekommen, ohne dass sich dafür jemand in die Schusslinie begeben musste.
Nachmittags hab ich mich dann mal wieder mit dem lieben Oli getroffen und wir sind nach Haymarket im Zentrum gefahren, um dort den Paddy's Markets - einem Markt im Untergeschoss eines großen Shoppingcenters einen Besuch abzustatten. Leider hatten die nur noch eine Stunde geöffnet, so dass wir es gerade so geschafft haben und noch ein bisschen durch die Massen zu quetschen, einen kurzen Blick auf leckeres Obst und Gemüse und eine riesige Bandbreite an Klamotten und allen möglichen Ramsch zu erhaschen und schnell noch jeder 'ne überdimensionale Wollmütze zu kaufen, weil der Herbst hier in Sydney mit knapp 20°C langsam echt kalt wird...
Für den Abend hatte uns Earnest, ein Australier, den wir auf dieser Lagerhausparty am 2. Wochenende hier kennengelernt hatten, zu sich eingeladen. Er wollte das einjährige Jubiläum seiner ersten eigenen (im Sinne von gekauften) Wohnung in Sydney feiern. Leider stellte sich heraus, dass die Partygesellschaft nur aus Oli, Earnest, Matt (Franzose, ebenfalls auf der Lagerhausparty kennengelernt) bestand, weil alle anderen auf dem Geburtstag von irgendjemandem waren, den wir nicht kannten. Aber letztendlich wars echt lustig und Matt, Oli und ich sind dann noch leicht angetüdelt weitergezogen und dann auf den Oxford Street in 'nem Club namens "The Gaff" auf den Rest der Truppe gestoßen. Die Nacht endete dann mal wieder mit nem stundenlagen Spaziergang durch Sydney, inklusive Hydepark, Anzac Memorial und George Street, 2 Stops bei McDonalds, 'nem spontanen Straßenkonzert und leidenschaftlichen Liebesbekundungen zwischen Oli und mir... Irgendwie sind wir dann tatsächlich bei mir angekommen und direkt ins Koma gefallen. Großartiger Abend!



Den Samstag haben wir dann mal wieder schön gemütlich mit 'nem leckeren Frühstück in meinem Viertel begonnen. Zusammen mit einer meiner beiden Mitbewohnerinnen - Luisa, Jurastudentin aus Mannheim, die hier ihren Master of Law macht - und einer Freundin von Oli - Sarah, amerikanische Medizinstudentin, die gerade von 'nem Roadtrip zurück gekommen ist und neben ihre Strandbräune leider auch bed bugs (fiese stechende Bettwanzen) und 'ne heftige Grippe im Gepäck hatte. Danach waren wir auf dem Glebe (so der Name meines Viertels) Market - also mal wieder eine Gelegenheit zum Herumschlendern und Geld ausgeben. Hab die Gelegenheit genutzt und ein paar Mitbringsel geshoppt. Also liebe Familie - freut euch gefälligst schon mal!!! :)
Nach einer endlos langen, gefühlt Jahre dauernden Odyssee durch die Straßen des Central Business Districts von Sydney, deren sowohl Grund als auch Ergebnis derartig sinnlos und unbefriedigend waren (was unseren Zustand nach der vorangegangen Nacht nicht gerade gebessert hat), dass ich nicht näher drauf eingehen möchte (will euch auch ehrlich gesagt einfach nicht zu sehr langweilen), sind wir erstmal wieder bei mir versackt. Musste dann Oli fast aus der Wohnungstür prügeln, weil er ganz plötzlich viel mehr Lust hatte, den Abend vorm Fernseher zu verbringen, als sich der nächsten Party auszusetzen. Sind dann aber letztendlich doch losgezogen - auf zur Geburtstagsparty von Megan (halb deutsch, halb britisch, Psychologin, forscht hier an irgendwas mit Schlaf) und Chad (Amerikaner, Jurastudent und - oho - Model)! Weil wir echt überhaupt gar keine Lust auf irgendwas Alkoholisches hatten, hab ich uns jedem erstmal 'n großes Glas Orangenlimo eingegossen. Tolle Idee! War nämlich doch keine Limo, sondern irgendein hochprozentiger Mix. Haben uns dann unserem Schicksal ergeben... Habe ein neues Spiel kennen gelernt - Beer Pong. Zwei Teams aus jeweils 2 Leuten stehen sich an 'nem Tisch gegenüber und jeder hat 6 etwas mehr als halbvolle Becher Bier vor sich stehen. Die Aufgabe besteht dann darin 'nem Tischtennisball in die gegnerischen Becher zu werfen. Gezielt wird abwechselnd und das Team, dessen Becher getroffen werden, muss diese leeren. Na und verloren hat logischerweise das Team, das zuerst keine vollen Becher mehr vor sich stehen hat... Und ja, trotz der komischen Limo war ich noch sehr treffsicher und wir haben tatsächlich gewonnen! Also - sehr lustiges Spiel - werden wir demnächst in Dresden auch einführen! :) Glücklicherweise läuft man von Megan zu mir nur etwa 5 Minuten, so dass der Abend diesmal nicht ganz so anstrengend ausgegangen ist...
Dementsprechend war ich am Sonntag nach etwa 6 Stunden Schlaf putzmunter und voller Tatendrang, der dann leider daran gescheitert ist, dass der liebe Oli sich spontan entschieden hat bis kurz vor 13Uhr durchzuschlafen, um dann aufzustehen und mir mein leckeres Frühstück wegzufressen... Hatte also vorher knappe 3 Stunden Zeit Wäsche zu waschen, Wäsche abzunehmen, zu bügeln, die halbe Wohnung zu putzen, e-Mails zu schreiben und dann letztendlich zu entschließen, mir endlich Frühstück zu machen, weil mein Hunger inzwischen einfach zu groß war, um damit noch auf Oli zu warten... Naja, besagtes Frühstück hat der Oli wahrscheinlich trotz seiner komatösen Schlafgewohnheiten gerochen...
Sind dann nochmal zu den Paddy's Markets spaziert, um endlich ganz in Ruhe unser Geld unters Volk zu bringen.
Montag war wieder Krankenhaus angesagt, allerdings nur bis mittags. Dadurch hatte ich Gelegenheit mein Fahrrad endlich mal ausgiebig zu nutzen. Ich bin zum Centennial Park, der größten zusammenhängenden Grünfläche der Stadt, gefahren. Habe dort ein paar Runden gedreht, sämtliche Wege mindestens einmal abgefahren und unterwegs so ziemlich alles an Grün fotografiert, das ich finden konnte. Und freilaufende Pelikane gesehen!!! Klingt jetzt vielleicht alles nicht so spannend und ich bin ziemlich überzeugt davon, dass alle, die mich gesehen haben, etwas in der Richtung gedacht haben müssen wie "Oh, die Arme scheint ihr bisheriges Leben in 'nem dunklen Keller verbracht zu haben und sieht heute das allererste Mal Bäume, Gras und Wasservögel." Aber mal ehrlich, das sieht hier alles echt total anders aus! Wirklich! Ich find's jedenfalls toll... So!


Am Dienstag hat's dann mitten am Tag angefangen im ganzen Krankenhaus merkwürdig verbrannt zu riechen. Dr. Chan meinte dann so ganz nebenbei, dass das bestimmt nur wieder ein Buschbrand ist, weil's um die Mittagszeit ja relativ warm gewesen ist... - Haaallooooo? Wie bitte? Buschbrand? Hilfe! - Aber ich solle mir keine Sorgen machen. Zuerst würden die westlichen Vororte brennen, wie beispielsweise Penrith. Und um das sei's auch nicht wirklich schade...
Okay, alles klar. In Penrith befindet sich übrigens das Krankenhaus für das ich zuerst die Zusage hatte!
Letztendlich war wohl tatsächlich alles halb so schlimm. Die nette Kassiererin im Supermarkt (Könntet ihr bitte sicher stellen, dass ich an der Kasse im Lidl demnächst auch mit "Hey Sweety, wie war dein Tag?" begrüßt werde?!) hat mir erklärt, dass das ein so genannter Reinigungsbrand in den Blue Mountains war. Die Australier verbrennen nämlich regelmäßig alles abgestorbene Zeugs, was sich so auf dem Waldboden ansammelt, um sicherzustellen, dass das nicht später von alleine und völlig unkontrolliert anfängt zu brennen... Daher kommt also der Spruch "Feuer mit Feuer bekämpfen"!
Abends haben ich mich mit Megan, Sal (Londoner, studiert hier BWL und Politik) und Juristencrew bestehend aus Julia, Frank, Nicolas (alle 3 auch Deutsche), dem anderen Nicolas (Schweizer) und Andy (Schotte) zum Tacosabend auf der Glebe Point Road (also bei mir um die Ecke) getroffen. Fazit: Tacos - lecker, Sangria - die beste meines Lebens, Kellnerin - unfreundlich, Stimmung - trotzdem gut. :)


Am Mittwoch stand dann wieder ein bisschen Touriprogramm auf dem Plan und Elisabeth, Oli und ich waren im Sydney Opera House und haben die Musiker der "Sydney Symphony" genossen. Habe festgestellt, dass ich hinsichtlich klassischer Musik wohl eher konservativ bin. Ich fand die Overtüre von Beethoven weitaus schöner als das 2009 entstandene Werk von Georges Lentz, einem mir bisher völlig unbekannten australischen Komponisten. Außerdem wurden noch Stücke von Igor Stravinsky und Jean Sibelius gespielt - auch sehr schön, vor allem letzteres. Abgesehen davon war der Konzertsaal an sich schon echt beeindruckend und sowohl die Akustik als auch die Sicht selbst von unseren in der vorvorletzten Reihe gelegenen Billigplätzen aus der absolute Hammer!
Gestern hab ich mich dann mal wieder etwas zeitiger aus dem Krankenhaus verabschiedet und bin nochmal in Ruhe durch Newtown spaziert, habe ganz viele kleine Läden mit tollen Klamotten, stylischen Möbeln und Klimmbimm-Mädchenkram entdeckt und mich mal wieder über die ollen Gewichtsbeschränkungen von Air China geärgert.
Achso, nur so nebenbei. Nicht dass der Eindruck entsteht, ich würde mein PJ nicht ernst nehmen... Dienstag und Mittwoch war ich bis knapp um 5 da und heute bin ich auch erst kurz nach 4 gegangen! Fleißig, wa? ;)
Abends sind wir noch ein bisschen durch die Pubs gezogen und irgendwie war ich dann wieder viel zu spät daheim und musste heut morgen nach nur 4 Stunden Schlaf wieder aufstehen... Dementsprechend war der Tag im Krankenhaus auch eher entspannt. Habe die meiste Zeit damit zugebracht zu essen (Frühstück in Balmain, Lunch im Krankenhaus), Kaffee zu trinken und mir ein bisschen was über Antibiotika beibringen zu lassen.
Ach nee, halt! Habe die nächste Stufe auf dem Weg zum professionellen Flexülen-Leger erreicht. Ich glaube, so sehr viel schwieriger geht's tatsächlich nicht mehr: Winzig zarte Venen einer durchaus netten aber leider ziemlich übergewichtigen Frau aus Afrika... Tatatataaaaa - trotzdem geschafft - wenn auch erst beim 2. Versuch! Und danke an alle Ärzte, dir mir eingetrichtert haben, mir bloß nicht anzugewöhnen ohne Handschuhe Flexülen zu legen, nur weil man damit viel weniger Gefühl hat! Dadurch war ich nämlich daran gewöhnt und das ist, glaube ich, bei HIV-positiven Patienten ganz praktisch... Haben uns dann gemeinsam über meinen Erfolg gefreut!
Dann hab ich mich für die nächsten anderthalb Wochen von meinem Team verabschiedet, was die noch für ein paar Witze auf meine Kosten genutzt haben...
Zuerst meinte Jordan, wenn ich mit Endocarditis zurückkomme, gibt's Ärger. Dazu sei gesagt, dass wir gerade relativ viele Patienten mit bakterieller Endocarditis (Herzklappenentzündung) auf der Station haben und die sich das alle dadurch geholt haben, weil sie sich mit schmutzigem Besteck Heroin und andere wilde Drogen inklusive fieser Keime injizieren... Konnte ihn aber beruhigen, dass ich nicht so ganz der Typ für solche Experiment bin und ganz bestimmt keine Endocarditis zurückbringen werden.
Rebecca meinte darauf hin: "Dann vielleicht Syphilis? Haha, nee, nur Spaß!" Haben auch grad 'nen Patienten mit Syphilis im 3. Stadium auf der Station, bei dem dummerweise das Nervensystem befallen ist. Deswegen ist es völlig neben der Spur und leicht manisch auf dem Flughafen eingesammelt worden und hat erstmal einen ganzen Monat in der Psychiatrie zugebracht, bis mal jemand auf die Idee gekommen ist, dass er ja Neurosyphilis haben könnte. Also hat sich die Therapie leider etwas verzögert und wenn er Pech hat, ist der Schaden schon irreversibel und er bleibt für den Rest seines Lebens unzurechnungsfähig und wird ganz schnell dement. Also auch kein Schicksal, dem ich unbedingt nacheifern will!
Dr. Chan hat mir dann noch den Rat gegeben, bloß nicht zu viel Gras zu rauchen, man wisse ja nie, was die einem da so andrehen...
Alles klar! Der Norden von New South Wales hat also einen echt tollen Ruf!
Abgesehen von Junkies, Dealern und Geschlechtskrankheiten, freu ich mich allerdings vor allem auf ganz viel Sonne, Strand, Wellen, Freizeit, Entspannung und danach ein bisschen Kultur in Melbourne... :D
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