Der Sommer neigt sich so laaaaangsam dem Ende entgegen. Noch kann man gut in kurzen Sachen draußen herumspazieren, aber weil das eben nicht unendlich so weitergehen wird, muss jeder Sonnenstrahl genutzt werden. Also hieß er für Iselin und mich letzten Sonntag: Ab ans Meer! Und es hat sich mal wieder erwiesen: Wer mit Einheimischen unterwegs ist, ist eindeutig im Vorteil!
Zuerst sind wir auf alten Wikingergräbern - großen Steinhaufen am Strand - herumgeklettert. Gar nicht so leicht übrigens mit FlipFlops... Dann haben wir 'ne ganze Weile am Wasser gesessen und dem Geräusch der Wellen gelauscht, die an den rullestein gebrochen sind. Unglaublich schön!
Gestärkt mit Eis sowie Brom-, Blau-, Himbeeren und Haselnüssen, die uns überall vom Wegesrand her angelächelt haben, ging's dann an den nächsten Strand, von dem aus man übrigens den Skærgård gesehen hat, in dem ich am Wochenende davor mit Omi und Opi unterwegs war. Dort haben wir einen Teil von Iselins Familie getroffen und dann in alter norwegischer Tradition stundenlang auf den Felsen gehockt, Miesmuscheln aufgeknackt und wieder ins flache Wasser gelegt. Sinn des Spiels: kleine Krebse anlocken und die dann aus dem Wasser fischen. Echt unglaublich, wie lange man sich mit sowas beschäftigen kann. Und was man dabei nicht alles noch so tolles im Meer findet. Wusste bisher ja gar nicht, dass es man gar nicht auf das nächste Amazonpaket warten muss, um sich wie ein Kleinkind drüber zu freuen die Luftkammerdingsbumse des Verpackungsmaterials zwischen den Fingern platzen zu lassen... Ab ans Meer! Mit sogenanntem bobletang funktioniert das genauso und das auch noch biologisch abbaubar! :) Noch ein Grund mehr für mich ans Meer zu ziehen, wenn ich groß bin!
Das Ende der Sommerzeit hat im Übrigen nicht ausschließlich Nachteile. So flattern nämlich so langsam alle Norweger wieder zu Hause ein und der - äh - Ernst des Lebens geht wieder los. Und mit ihm das Wintersemester an der Uni in Porsgrunn, das mit einer Eröffnungswoche für die neuen Studenten eingeleitet wird. Naja, bei mir neigt sich das Studium zwar so langsam dem Ende entgegen, aber hey - weiß ja keiner! Also haben Iselin und ich unter die Erstis gemischt... Das Ergebnis: ein sehr lustiger Abend mit Livemusik, für norwegische Verhältnisse freundlichen Getränkepreisen, Batman und seinen Freunden und der Erkenntnis, das Plauener auch nach 7 Jahren in Norwegen ihr Sächsisch nicht verlernen!




Meine erste (und wahrscheinlich einzige) Darmanastomose!
Vi skåler for våre venner
Og de som vi kjenner
Og de som vi ikke kjenner
De driter vi i!
Vi drikker for å bli fulle
Og fulle det blir vi
Og blir vi ikke fulle
Så drikker vi mer!
Ogggggggså havner vi på fyllefest igjen
Hei skål!!!
Außerdem haben am Montag die neuen turnuslege ihren Dienst angetreten und mit ihnen sind auch gute alte Freizeitbeschäftigungen nach Skien zurückgekehrt, wie beispielsweise das regelmäßige torsdagspils - also "Donnerstagsbier":
Außerdem wurden fleißig Pläne geschmiedet: Volleyball, Einzugsfeiern, norwegisches Oktoberfest (wobei der Vorschlag von 'nem Schweden kam, der aber sogar eigene Lederhosen besitzt - mit Stolz!). Bin mal sehr gespannt, wieviel davon wirklich passiert, bis ich wieder abreise. Ist ja gar nicht mehr so lange...
An der Schleuse
Industriechic statt Natur pur - Norwegen kann auch anders
Seit 9 Wochen bin ich inzwischen hier und nach der Notaufnahme und der Plastischen Chirurgie, habe ich mich während der letzten 3 Wochen in der Gastrochirurgie getummelt. Ab Montag geht's dann in die Orthopädie und Unfallchirurgie. Das bedeutet für mich übrigens nicht nur Knochen sägen und Schrauben festziehen, sondern auch noch 'ne halbe Stunde eher aufstehen... Zum Abschied von den Weichteilen gab's aber - wie es der Zufall und der glückliche Stern, unter dem ich geboren wurde, so wollen - noch etwas ganz Feines: Einen Naht- und Laparoskopiekurs für die gesamte Abteilung! Morgens wurde nur schnell aus dem Dienst berichtet, die Visite und Röntgenbesprechung durchgezogen und ab 9 Uhr saßen dann alle Ärzte und OP-Schwestern bei Kaffee im Konferenzraum und haben sich von 3 netten rundlichen Herren etwas über die neueste Technik erzählen lassen. Halb 12 gab's dann Pizza für alle und dann hieß es: praktisch üben! Auf die Frage, ob ich denn da auch mitkommen könnte, meinte der Chefarzt übrigens: "Natürlich! Du bist doch ein vollwertiges Mitglied des Teams- auch wenn du nur Hospitant bist!" Äh, ja... Na dann - ab durch die unterirdischen Gänge des Krankenhauses, der Ausschilderung nach (kapelle - den Zusammenhang hab ich auch nicht so ganz verstanden...) und rein ins Vergnügen: den Obduktionssaal der Pathologie.
Ausgestattet mit 3 Laparoskopiestationen, den verschiedensten automatischen Nahtgeräten, konventionellem Nahtmaterial und 2 Kühlboxen voller Organe. Schwein sei Dank!
Nein, auch wenn es so aussieht - das sind keine Fleischer!
Der absolute Höhepunkt: eine laparoskopische Cholecystektomie! Und das sogar echt schnell und trotzdem ohne die Gallenblase zu perforieren - meiner PlayStation sei Dank!
Ganze 3 Stunden später hab ich mich dann auf den Heimweg gemacht und mir ist die Euphorie wahrscheinlich nur so aus dem Gesicht gesprungen! Das war wie ein Abenteuerspielplatz für Möchtegern-Chirurgen! Groooooooßartig!
Na und jetzt bin ich mal gespannt, was die Orthopäden so zu bieten haben. Nach 4 Wochen dort geht es für die letzten 3 Wochen dann in die Urologie. Dahin hab ich am Donnerstag schon mal einen kleinen Abstecher gemacht und einem der Uro-Oberärzte einer Meatusplastik (Erweiterung des Harnröhrenausgangs) assistiert und danach den Katheter gelegt - diesmal ohne zu doll zu ziehen... ;) Der Operateur hat mich dann gleich gefragt, ob ich nicht Urologe werden wolle. Äähhh, mal sehen...
