Sonntag, 30. Mai 2010

Der Zauber von OZ...

...und die kleine Kostprobe, die wir davon genießen durften. Ein Roadtrip.


Samstag, 15. Mai

0 km
Es ist früh um 9 als wir uns auf den Weg zur WickedCamper-Filiale machen. Müde und voll beladen stapfen wir durch das zu dieser Zeit noch halbwegs leere Sydney und wissen, dass wir wohl angekommen sein müssen, als plötzlich auf beiden Straßenseiten eine Reihe besprayter Vans auftaucht. Ein Mädel in Hotpants mit verheulten Augen stellt uns unserem neuen Freund vor: Dem GuitarHero! Naja, vertrauenserweckend ist was anderes, aber wir freuen uns in erster Linie, dass er zumindest cool aussieht! Da jeder einzelne Campervan bei Wicked rein optisch ein Einzelstück ist, hätte es uns deutlich schlechter treffen können, wie wir später auf unserer Reihe noch des Öfteren feststellen dürfen. Ein kleiner Franzose erklärt uns schnell noch die Regeln: Nicht nach Einbruch der Dunkelheit fahren! Nicht unter Alkoholeinfluss fahren! Nicht unter Drogeneinfluss fahren! Nicht fahren, nachdem man Kekse von Fremden angenommen hat! Und immer hübsch regelmäßig Wasser und Öl checken!
Wir haben verstanden, steigen ein und los geht's... Und an dieser Stelle möchte ich mich nochmal gaaaaaanz doll bei Oli bedanken, der sich bereit erklärt hat, uns durch den chaotischen Großstadt-Linksverkehr zu manövrieren und es tatsächlich geschafft hat, uns dabei nicht umzubringen!
Dank der mehr oder minder nützlichen Karten und Pläne, die ich neben Salz, Pfeffer (man weiß ja nie) und noch n bisschen Bettzeug kurz vor der Abfahrt bei Wicked abgefasst habe (keine Sorge, nicht geklaut, haben andere Backpacker übrig gelassen), befinden wir uns nach einer überteuerten Tankfüllung und etwa 58 von Schweißausbrüchen und Herzrasen begleiteten Spurwechseln tatsächlich außerhalb von Sydney auf dem Pacific Highway in Richtung Norden!

131 km
Erster Stop: Swansea. In erster Linie, weil wir beide dringend eine frische, dampfende Dosis Koffein brauchen, und zweitens, weil ich der Meinung bin, dass eine Stadt, die an der Mündung eines riesigen Sees ins offene Meer (Nennt man das bei Seen auch Mündung?) liegt, ja vielleicht sehenswürdig sein könnte. Was soll ich sagen - der See stellt sich zwar auf Nachfrage bei der Touristeninformation als der größte Küstensee Australiens heraus, allerdings gestehen mir die netten Damen am Infoschalter gleichzeitig, dass die eigentlichen Sehenswürdigkeiten auf der anderen Seite des Lake Macquarie liegen. Es gäbe da zwar noch ein paar hübsche Felshöhlen am Meer, allerdings müssten wir uns noch etwa 5 Stunden gedulden, um die zu bestauen, weil sie leider nur bei Ebbe zugänglich sind...
Naja, Kaffee gibt's glücklicherweise trotzdem! Und außerdem ist es soweit: Klein-Steffi nimmt auf der Fahrerseite (rechts!!!) Platz.

294 km
Ich habe inzwischen etwas Zeit gehabt mich an den Linksverkehr zu gewöhnen und auch ich habe es geschafft uns dabei nicht umzubringen! Was mich allerdings echt verwirrt, ist die umgekehrte Anordnung sämtlicher um das Lenkrad befindlicher Schalter und Hebel. Und so habe ich, obwohl uns das Wetter bisher mit einem strahlend blauen Himmel beglückt, schon gefühlte 43 Mal (also bei fast jedem Abbiegen oder Spurwechsel) den Scheibenwischer betätigt - zu Olis Belustigung.
Glücklicherweise sind die Pedale aber genauso angeordnet wie in Deutschland und so holpern wir gerade in gemäßigtem Tempo seit etwa 15 Minuten über eine löchrige und schlammige Straße mitten durch den Küstenregenwald, als sich plötzlich das Paradies vor unseren Augen eröffnet: Seal Rocks. Bis zum historischen Leuchtturm, für den dieses kleine Fischerdorf eigentlich bekannt ist, kommen wir gar nicht. Stattdessen stolpern wir aus unserem GuitarHero direkt an den Strand und starren gebannt auf ein atemberaubendes Naturschauspiel aus sich inzwischen majestätisch auftürmenden Wolken über einer nebligen Bucht und schäumenden Wellen, die sich an dunklen Felsen brechen. Es steht fest: Wenn es einmal soweit sein sollte, dass wir der Welt den Rücken kehren müssen, dann werden wir hierher zurück kommen!


Noch ist es ja aber nicht ganz so weit. Stattdessen wird es langsam dunkel, da sich auch die warme australische Sonne im Spätherbst schon um 17 Uhr verabschiedet...
Also zurück über die Huckelpiste auf den Highway!

343 km
Wir haben unseren ersten Schlafplatz gefunden: Forster-Tuncurry, eine Zwillingsstadt am Übergang des Lake Wallis ins Meer, die im Sommer wohl scharenweise Touristen anzieht. Glücklicherweise ist ja grad keine Urlaubssaison mehr und so finden wir problemlos einen freien Parkplatz direkt am Meer und schlafen nach leckerem mexikanischen Abendessen und noch 'ner Runde lesen im schummrigen Licht der Straßenlaterne zum Klang der Wellen ein.
Und dann bin ich plötzlich wieder wach! Und verfluche das mickrige Fassungsvermögen meiner Blase... Nach einem Blick auf die Uhr steht fest: Ich muss wohl oder übel die Sicherheit unseres Vans verlassen. Wer mich kennt, weiß - ich bin ein absoluter Schisser, was das Sich-alleine-ins-Dunkle-wagen angeht. Aber blöderweise ist es erst halb 2 und ich würde schon ganz gern noch ein bisschen schlafen, was so leider absolut unmöglich ist. Also - bitte nicht lachen! - wecke ich den Oli und weise ihn an, sich gefälligst auf die Suche nach mir zu begeben, sollte ich in 5 Minuten nicht zurück sein. Dann stapfe ich zur öffentlichen Toilette, die - aaaahhhhh - anscheinend nachts abgeschlossen wird. Wie bitte??! Wildpinkeln in ausgerechnet dem Teil der Welt, der die giftigsten alle Tiere beherbergt, von denen ein Großteil am Boden rumkriecht und das mit Vorliebe nachts?! Also jetzt!?
Irgendwie überlebe ich dann doch und schaffe es ohne weitere Zwischenfälle zurück ins "Bett". Puh! Memo an mich selbst: In Zukunft ab fünf Uhr nachmittags das Trinken ausnahmslos einstellen!


Sonntag, 16. Mai

Entweder ich baue neuerdings laute Musik und kreischende Stimmen in meine Träume ein oder kurz nach meinem nächtlichen Kloabenteuer hat sich 'ne Gruppe Teenager spontan dazu entschlossen direkt neben unserem Van eine Strandparty steigen zu lassen...
Trotzdem halbwegs ausgeschlafen starten wir mit 'nem leckeren Kaffee am Strand in den Tag. Die erste Etappe übernimmt der Oli.

365 km
Auch der GuitarHero hat Hunger, was uns die erste Gelegenheit gibt Öl und Kühlwasser zu überprüfen. Und weil Motorhauben völlig überbewertet werden, klappen wir dazu einfach Beifahrersitz und Mittelkonsole hoch. Die Tatsache, dass wir am Wasserbehälter keinen Höhenstand entdecken können und den halben Inhalt einer Gießkanne durch den ollen, zuführenden Plastikschlauch fädeln müssen, bis dieser sichtbar wird, lässt uns dezent an der Zuverlässigkeit des Wicked-Personals zweifeln... Glücklicherweise sieht das beim Öl besser aus. Und hey, wir sind ja Profis! Die zum Glück von niemandem, der uns kennt, beobachtet werden... ;)

457 km
Zeit für's Frühstück - und was für eins! Auf einem Holzsteg in Port Macquarie - einem beschaulichen kleinen Küstenstädtchen für Touristen jenseits der Berufstätigkeit - etablieren wir DAS Frühstück des Urlaubs, wenn nicht sogar unserer gesamten Zeit hier in Australien. Es gibt Brötchen mit Avocado (und zwar so reif, dass man sie streichen kann - so kauft man hier nämlich seine Avocados, jederzeit und überall!) und Marmelade. Leggor!
Danach gehts am Strand entlang, der von bemalten Steinen gesäumt ist. Wir überlegen kurz irgendwo Farbe aufzutreiben und uns in die Reihe der "Kate-and-George-forever"-Poesie einzufügen, sind dann aber doch zu faul und entscheiden uns dazu, einfach Fotos zu machen, die später entsprechend zu bearbeiten und daheim einfach so zu tun, als hätten wir uns verewigt. Mal ehrlich, wer will das denn bitteschön nachprüfen?


627 km
Inzwischen steht es 12 : 19 zwischen Scheibenwischer (und nein, es regnet immernoch nicht) und Blinker - ich werde besser!
Stolz parke ich den GuitarHero in Coff's Harbour und wir spazieren an der Küste entlang in Richtung Muttonbird Island, Heimat einer seltenen Vogelart und Beginn des Solitary Island Marine Parks. Leider sind die Vögel schon unterwegs in ihr Winterquartier - 25°C sind schon echt frostig-, weshalb wir nur leere Erdlöcher, die wohl sonst von den Muttonbirds bewohnt werden, vorfinden. Macht aber nix, wir genießen die Aussicht!


Auf dem Rückweg ergibt sich überraschenderweise die Gelegenheit zum Duschen - oder so ähnlich... Leider muss ich nämlich eeeeeeeewig auf meinen Kaffee warten, so dass wir nacheinander heimlich aufs Klo verschwinden, um uns an winzigen Waschbecken wieder in halbwegs vorzeigbare menschliche Wesen zu verwandeln.
Auf dem Weg zurück zum Highway fahren wir an der "Riesigen Banane" vorbei, für die Coff's Harbour bekannt ist und die zu der Reihe an Betonskulpturen gehört, die über den gesamten Kontinent verteilt sind. Es gibt zum Beispiel wohl auch 'ne "Riesige Krabbe" und nen "Riesigen Bullen" - wo auch immer. Jedenfalls bin ich relativ sicher, dass sich zumindest im Falle der "Riesigen Banane" ein Mann den Namen einfallen lassen hat, falls ihr wisst, was ich damit meine... Gähn!

664 km
Ich zwinge Oli dazu, einen kurzen Halt in Woolgooga einzulegen, damit ich fix raushüpfen und 'nen Sikh-Tempel fotografieren kann. Und ja, ich geb's zu: War jetzt vielleicht nicht der aller wertvollste Beitrag zu unserer Reise. Aber dafür bin ich nicht Schuld an unserem nächsten Übernachtungsort. Den hat nämlich der Oli ausgesucht...

759 km
Willkommen in Maclean - "The Scottish town in Australia"! In Maclean gibt es... äh... nix! Ehrlich, ich würde ja gern mit spannenden Geschichten von Leuten, die in Kilts auf der Straße rumlaufen, sich Baumstämme zuwerfen und Dudelsack spielen, aufwarten - aber nichts dergleichen. Stattdessen flüchten wir ganz schnell wieder vom Supermarkt-Parkplatz, auf dem wir eigentlich die Nacht verbringen wollen, als Oli bei einem Blick über die kleine Mauer zwischen diesem und dem Flussufer den Treffpunkt der örtlichen anonymen Alkoholiker entdeckt. Wir entscheiden uns dazu unser Lager direkt neben Polizeistation und Court House aufzuschlagen - das erscheint uns halbwegs sicher!
Lobend erwähnt sei das leckere Essen im Maclean Hotel, das ich übrigens diesmal in weiser Voraussicht und im Bewusstsein der Abwesenheit einer öffentlichen Toilette in Sichtweite unseres Stellplatzes ohne jegliche Flüssigkeit zu mir nehme.
Bevor wir schlafen gehen, setzen wir uns zum Lesen vor das Court House - leider reicht im Gegensatz zum vorhergehenden Abend das Licht der Straßenlaternen nämlich nicht bis in den GuitarHero...



Montag, 17. Mai, 6 Uhr morgens

Ein neuer Tag bricht an - selbst in Maclean. Damit unserer Flucht auch wirklich nichts im Wege steht, klappen wir nochmal schnell der Beifahrersitz hoch und stellen sicher, dass wir noch genug Öl und Kühlwasser haben. Und dann nix wie weg. Wer braucht schon Frühstück?


813 km
Okay, ich geb's zu - so ganz ohne geht's dann doch nicht. In Woodburn genehmigen wir uns zumindest einen schnellen Kaffee. Übrigens den wohl schlechtesten in ganz Australien... Und das obwohl ich noch nie in meinem Leben besseren Kaffee als auf diesem Kontinent getrunken habe!

880 km
Wir kommen in Nimbin an. Dazu eine kleine Vorgeschichte: Irgendwann in den 70er Jahren hat eine Gruppe Hippies nach einem Musikfestival beschlossen, nicht wieder zurück nach Hause zu fahren, sondern einfach an Ort und Stelle zu bleiben und eine Stadt zu bauen, die ihnen ermöglicht ihren Hippietraum für unbestimmte Zeit weiterzuleben. Gesagt, getan! Das Ergebnis heißt Nimbin und zieht seit vielen Jahren jeden Backpacker an, der stolz eine Ausgabe des "LonelyPlanet" sein Eigen nennt. Es ranken sich Legenden um diesen Ort, nach welchen alle (!) immer (!) glücklich sind und so den ein oder andern Tipp auf Lager haben, wie man dem Glücksgefühl ein klein wenig auf die Sprünge helfen kann...


Aber weil Legenden nun mal nicht umsonst Legenden heißen, werden wir leider etwas enttäuscht. Statt der angekündigten Ömchen, die mit Blumen in den geflochtenen Zöpfen, lächelnd ihr Gebäck unter die Leute bringen, findem wir relativ viele traurige Gestalten vor, die so überhaupt nicht nach Love&Peace aussehen... Nun gut, ein Häkchen mehr auf der "To see-Liste" und auf in Richtung Tagesziel!

958 km
Jippie - wir sind in Byron Bay! Und nicht jippie - es regnet und die Campingplätze sind trotz Nebensaison ordentlich teuer! Trotzdem - die Sehnsucht nach 'ner Dusche siegt über den Geiz und weil wir jetzt so richtig in Spenderlaune sind, suchen wir uns den teuersten Platz aus, der aber dafür genau im Zentrum und direkt Strand am liegt.
Und als der Regen nachlässt, ist das genau der Ort, an dem wir den Tag ausklingen lassen...



Dienstag, 18. Mai

Wir starten den Tag mal wieder mit unserem legendären Avocado-Marmeladen-Frühstück in unserem Vorgarten - am Strand, hehe!
Und dann ist es soweit: Ich wage mich auf's Surfbrett. Also, ich sag's mal so: Ich stehe! Auf meinen Füßen! Ungefähr 3 oder 4 Mal! Aber so wirklich "cool" sieht das wohl eher nicht aus... Und irgendwie bin ich viel zu langsam! Eh ich so halbwegs aus der liegenden in die hockende, geschweige denn stehende Position komme, ist die blöde Welle schon längst unter mir durchgerollt. Also bin ich hauptsächlich damit beschäftigt loszupaddeln, sobald ich eine Welle kommen sehe, mich unter Aufwendung aller meiner Kräfte hochzustemmen (Memo an mich selbst Nr. 2: Vor dem nächsten Surfversuch unbedingt Liegestütze trainieren!), um dann auf allen Vieren auf der Welle in Richtung Ufer getragen und letztendlich in der Brandung vom Brett gespült zu werden. Trotz meines begrenzten Erfolges habe ich aber tatsächlich so viel Spaß dran, dass ich garnicht merke, dass meine Knie wohl etwas in Mitleidenschaft gezogen werden. Als ich nach der ganzen Aktion erschöpft am Strand sitze und in der Sonne trockne, wundere ich mich, was da auf einmal so brennt und meine leuchtend roten Knie liefern mir die Antwort. Ups!


Oli ist zu diesem Zeitpunkt immernoch im Wasser und stellt sich echt - soweit ich das beurteilen kann - garnicht mal so schlecht an!


Mittwoch, 19. Mai

Einerseits um meine Knie zu schonen und andererseits um auch wirklich alle Aspekte des Meeres voll auszukosten, entscheide ich mich für einen Tag unter Wasser.
Morgens um halb 9 komme ich in der Tauchschule an und treffe dort Liz, die mir beibringen will, wie man trotz fehlender Kiemen unterhalb der Wasseroberfläche atmet, und Chris aus Brisbane, der zwar seine eigene Ausrüstung mitbringt, diese aber seit 10 Jahren nicht benutzt hat. Zuerst gibt's ein bisschen Theorie, dann quetschen wir uns in die Wetsuits, schnallen Flossen, Gewichtgürtel und Luftflaschen an (Boah, ist das schwer!) und ab geht's für ein paar Proberunden in den Pool. Aaaah! Kalt! Hilfe, Mama! Schnell bewegen... Erstmal sinke ich auf den Boden des Beckens und bleibe da kleben. Wohl doch zu viele Timtams gegessen. Dank Liz, die die richtigen Knöpfe zu drücken weiß, mit denen man Luft in 'nen speziellen Schlauch am Anzug lässt, die einem ein bisschen mehr Auftrieb verleiht, schaffe ich es letztendlich doch vom Fleck zu kommen und mich ans Atmen durch das komische Teil, auf das ich beiße, zu gewöhnen.
Die Zeit bis zur Abfahrt in Richtung Strand vertreibe ich mir unter der heißen Dusche. Dann geht's los. Wir teilen uns das Boot mit dem Captain sowie 10 erfahrenen Tauchern und hüpfen über die Wellen vom Cape Byron zum Julian Rocks Marine Park. Und plötzlich lasse ich mich auch schon nach hinten kippen und lande im Meer. An einem Seil hangeln wir uns Stück für Stück - zwischendurch immer hübsch Nase zuhalten und dagegen pusten, um den Druck auszugleichen - nach unten.
Ich kann garnicht sagen, wie toll das ist! Um mich herum - 12 Meter unter dem Meeresspiegel zwischen Felsen und Korallen - schwimmen Fische in allen Größen und Farben, einzeln und in glitzernden Schwärmen, knallbunt oder leuchtend blau. Unter mir taucht plötzlich eine riesige Schildkröte auf, etwas weiter drüben schlummert ein Leopardenhai, der mindestens so groß ist wie ich, ein weiterer schwimmt an uns vorbei. Über uns hinweg ziehen Mantarochen und Adlerrochen und ich sehe weit über mir die Regentropfen ins Meer eintauchen...
Und auf einmal sind 45 Minuten vorüber und ich muss zurück an Land... Drei heiße Duschen später taumele ich - immernoch völlig überwältigt - zurück zu Oli, der die Zeit bis zum Regen genutzt hat, um seine Surfskills (toller Ausdruck!) zu verbessern.
Dummerweise zwingt uns das Wetter dazu den Rest des Tages im GuitarHero zu verbringen. Also stopfen wir uns mit leckerer Pizza voll, fügen uns unserem Schicksal und ich träume davon, mit der kleinen Meerjungfrau zu tauschen...


Donnerstag, 20. Mai

Sonne, jaaaaaaaa! Und zwar den ganzen Tag! So wie sich das gehört.
Wir liegen am Strand und tanken Sonne und zwar so viel und so lange, dass ich mir zurück in Sydney von den Ärzten auf meiner Station erklären lassen muss, dass man normalerweise selbst in Australien im Winter gefälligst nicht braun zu werden hat... :)
Nach einem Strandspaziergang zum Cape Byron und zurück, bei dem wir mal wieder einen malerischen Sonnenuntergang bewundern dürfen, genieße ich die besten Fish'n'Chips meines Lebens. Und dazu die Seeluft, das Rauschen der Wellen und eine Flasche Wein. Ach ja, PJ ist schon stressig...


Freitag, 21. Mai

Um auch ja alle Klischees, mit denen Byron Bay sich schmückt, auszukosten, mache ich mich auf den Weg zu einer Yogaschule direkt am Strand. Leider führt die Tatsache, das Nebensaison ist (normalerweise großartig, weil man den Ort dann nicht mit Heerscharen nerviger Touristen teilen muss), dazu, dass ich die einzige Interessierte bin. Also beschließt Izam, der Yogalehrer, die Stunde ausfallen zu lassen und erzählt mir stattdessen, dass der Strand in Byron etwa 5 mal im Jahr gesperrt wird, weil Haie (Also gefährliche! Solche, die unter Umständen auch mal Mensch kosten wollen) gesichtet werden, es aber nur ungefähr einmal in 5 Jahren zu "Zwischenfällen" kommt. Wie beruhigend!
Ausgerüstet mit zwei Bechern Kaffee, hole ich den Oli ab und wir machen uns auf den Weg durch den Nieselregen zum Leuchtturm ganz in der Nähe des östlichsten Punktes auf dem australischen Festland.


Und auch hier werden wir wieder grandios unterhalten. Erst entdecken wir unter uns eine Schildkröte, die scheinbar in Zeitlupe ganz dicht unter der Wasseroberfläche entlangpaddelt. Dann fliegt ein Adler vorbei und kurz bevor wir uns auf den Rückweg machen wollen, lässt sich auch noch eine Gruppe Delfine blicken. Das, meine Damen und Herren, ist Australien!


Samstag, 22. Mai

Oh nein! Wir müssen weiter! Wie schade - an das entspannte Leben in Byron Bay kann man sich tatsächlich gewöhnen... Wir zelebrieren ein letztes Frühstück am Strand, satteln den GuitarHero und machen uns auf den Weg nach Norden.

1032 km
In Tweed Heads holen wir nach, wofür wir in Byron Bay zu entspannt, bequem, faul oder was auch immer waren. Nach einiger Suche finden wir die passende Kulisse und halten die innige Freundschaft zu unserem treuen Begleiter-Transportmittel-Bett-Wohnzimmer-BackpackerMustHave-in-einem bildlich fest. Und ja, es stimmt: Das ist sowas von Klischee! :)

1141 km
Wir entern Queensland, den zweiten australischen Bundesstaat auf unserer Reise und sind gespannt auf seine Bewohner. Von Bill Bryson als "verrückt wie ein Sack kastrierter Schlangen" beschrieben, scheinen sie wohl etwas speziell zu sein...
In Brisbane verabschieden wir uns tränenreich vom GuitarHero, gedenken weniger angetan der im Laufe der Zeit immer feuchter und muffiger gewordenen Matratzen und des heimeligen Schnurrens des Motors, das Gespräche bei Geschwindigkeiten jenseits der 80 km/h schier unmöglich gemacht hat, verewigen uns im Inneren des Vans und starten zu einer Tour durch die Hauptstadt Queenslands.
Nachdem wir endlich unser Gepäck losgeworden sind, bleiben uns etwa 3 Stunden, bevor wir uns auf den Weg zum Flughafen machen müssen. Brisbane glänzt vor allem durch sein Kunst-und-Kultur-Viertel am südlichen Ufer des Brisbane River. Abgesehen davon haut es uns jetzt ehrlich gesagt nicht sooo sehr vom Hocker - Großstadt, Wolkenkratzer, Shoppingmeile, Parkanlagen, Unigelände, Flussufer, Brücken.
Und spätestens nachdem wir in der Metro auf dem Weg zum Flughafen ein paar Einheimische aus nächster Nähe getroffen haben, sind wir einstimmig froh, dass es uns zum PJ nach Sydney verschlagen hat. Bill Bryson hat ja sowas von Recht!

2511 km
Melbourne, Victoria - da sind wir! Ein nächtlicher Spaziergang durch den Central Business District zu unserem Hotel weckt spontane Sympathien für diese Stadt, die als die "europäischste" unter den australischen Metropolen gilt.
Und endlich wartet - neben Luxusgütern wie Flatscreen im Zimmer sowie Fitnessraum und hoteleigenes Kino - wieder ein trockenes Bett auf uns (und zwar für jeden von uns ein eigenes!), in das wir uns schließlich kurz nach Mitternacht erschöpft fallen lassen.


Sonntag, 23. Mai

Die Woche im Schimmelbett unter einer gemeinsamen Decke scheint uns wohl mehr zusammen geschweißt zu haben als erwartet - trotz optimaler Ausgangsbedingungen haben wir beide schrecklich schlecht geschlafen. Gefroren haben wir auch! So ohne den Rücken des jeweils anderen zum Aufwärmen...
Die Neugierde treibt uns dann aber doch aus dem Bett und wir machen uns auf nach St Kilda, einem Stadtteil südlich des durch Melbourne fließenden Yarra Rivers. Unterwegs durchqueren wir das Zentrum, legen die Köpfe in den Nacken und freuen uns wie die Kleinkinder über die Art und Weise, wie die Stadt es schafft alt ehrwürdige Gebäude (so alt Bauwerke in Australien eben sein können...) mit moderner und mutiger Architektur zu kombinieren, ohne dass das Ganze aufdringlich oder aufgesetzt wirkt!
Auch hier gibt es unglaublich leckeren Kaffee an jeder Ecke - den ersten des Tages serviert uns ein gut gelaunter Aussie, der aussieht, als hätte er am Abend zuvor erst 'nen Auftritt mit seiner Rockband gehabt. Momentan steht er glücklicherweise nicht auf einer Bühne, sondern neben seinem zum mobilen Café umgerüsteten Bulli vor der "National Gallery of Victoria" und versorgt fröhlich pfeifend Koffeinjunkies wie uns!
Schließlich kommen wir im Hafenviertel St Kilda an, spazieren am Strand entlang und treffen am extra für die Olympischen Spiele 1956 errichteten Damm einen einheimischen Pinguin, schwarze Schwäne und fast ebenso dunkle, halbnackte betagte Angler.


Durch belebte Straßen voll von unheimlich gut aussehenden Menschen geht es weiter bis ins jüdische Viertel und in Schlangenlinien zu dem Teil der Stadt, der laut LonelyPlanet den Schönen und Reichen vorbehalten ist. Wir stellen fest, dass wir tatsächlichen den gleichen Männergeschmack zu haben scheinen und während wir so viel miteinander reden, wie insgesamt während der kompletten letzten Woche nicht, überqueren wir den Yarra River und landen in Richmond, dem asiatischen Viertel Melbournes. Weil unsere Füße sich inzwischen in einem Zustand irgendwo zwischen brennend, taub und blutig befinden und wir feststellen, dass wir unheimlich lange nix Essbarem begegnet sind, landen wir mal wieder in einem Thairestaurant. Beflügelt von Red Curry und Satay Gemüse entschließen wir uns dazu, unseren Füßen doch noch ein paar Meter abzuverlangen.
Zurück im Hotel dienen ein Stadtplan und Olis iPod-Kabel dazu unseren Marathon zu rekonstruieren. Und mit etwa 31 km sind wir da wohl ziemlich nah dran...


Montag, 24. Mai

Aua! Was ist das denn da am unteren Ende meines Körpers und warum sticht da jemand tausend rostige Nägel auf einmal rein? Wir haben es wohl doch ein bisschen übertrieben.
Besserung gelobend stecken wir uns diesmal bescheidenere Ziele in kürzerer Entfernung - und werden leider enttäuscht! Ausgerechnet jetzt hat sich das ACCA (kurz für Australian Center for Contemporary Art) dazu entschieden ein Päuschen einzulegen und rund um erneuert zu werden...
Also doch in die National Gallery of Victoria.


Durch die Anwesenheit viel zu lauter 13jähriger Schulmädchen, die komischerweise jedes australische Museum einmal am Tag aushalten muss und die ein geheimnisvolles Gespür dafür zu haben scheinen, ihre Rundgänge immer genau auf meine Route abzustimmen, werde ich wieder einmal gezwungen mich grummelnd mittels iPod von meiner Umwelt abzuschirmen. Noch dazu ist mein Fußweh weit davon entfernt als toleranzförderlich bezeichnet zu werden... Und außerdem hab ich Hunger!
Also flüchten wir vor der Schulklasse ins nächste Café und setzen den Kulturtag am Federal Square fort. Gegenüber der berühmten Flinders Street Station steht dort das ACMI (Australian Centre for the Moving Image), das inmitten anderer Museumsbauten schon von außen unheimlich sehenswert ist.


Im Inneren erwartet uns eine interaktive Ausstellung rund um Film, Fernsehen, Videospiele und Co. Mein Highlight sind allerdings Mary und Max (www.maryandmax.com) - die Protagonisten eines australischen Stop-Motion-Movies, denen die aktuelle Sonderausstellung des ACMI gewidmet ist. Das Tolle ist, dass der Film nicht am Computer entstanden ist, sondern jede einzelne Kulisse und Figur liebevollst per Hand hergestellt wurde und es über ein Jahr gedauert hat, alle einzelnen Fotos zu schießen, die dann sozusagen wie die moderne Version des guten, alten Daumenkinos den fertigen Film ausmachen. Die Geschichte handelt von der Brieffreundschaft zwischen Mary Dinkle - einer Achtjährigen, die furchtbar einsam ist und mit ihrer trinkenden, rauchenden Mutter und dem depressiven, Vögel ausstopfenden Vater in Australien lebt - und Max Horowitz - einem übergewichtigen, jüdischen New Yorker mit Asperger Syndrom, der mindestens genauso einsam ist. Traurig, lustig und rührend zugleich - ich kann's kaum erwarten, mir zurück in Deutschland den kompletten Film anzuschauen!


Dienstag, 25. Mai

Es regnet! Und zwar fast den ganzen Tag! Dafür haben sich unsere Füße wieder halbwegs erholt und wir nehmen uns vor, den letzten Tag unserer Reise dafür zu nutzen, jedes letzte bisschen von Melbourne aufzusaugen, was uns bisher entgangen ist.
Den Anfang machen die Queen Victoria Markets - von Bio-Obst und Gemüse über Fisch, Fleisch und Delikatessen bis hin zu Lederjacken, winzigen Leierkästen und Plüschkoalas, gibt es hier alles, was das Herz begehrt.
Einmal nördlich des CBD, laufen wir trotz des inzwischen einsetzenden Regens, der sich als ziemlich hartnäckig erweisen soll, weiter und als wir eine Trattoria nach der anderen passieren und Cafés entdecken, in denen die Kaffeebohnen noch von Hand gemahlen werden, wissen wir, dass wir wohl im italienisch dominierten Carlton angekommen sein müssen.
Weiter geht es nach Fitzroy, dessen stylische Klamottenläden es relativ schnell schaffen mir ein bisschen (viel) Geld aus der Tasche zu ziehen.
Vorbei am Parlament und den Federation Bells, die normalerweise mitten in einem Park Musik spielen, leider aber ausgerechnet 10 Minuten vor unserer Ankunft ein Mittagspäuschen von 3 Stunden einlegen mussten (mmpf!), geht es zu den Docklands, dem ehemaligen Handelshafen Melbournes. Und auch hier finden wir wieder die einzigartige Kombination scheinbarer Gegensätze vor - alte Industriegebäude, Lagerhäuser und Holzstege bilden die Kulisse für Kühe in Baumkronen und Krokodile aus alten Plastiksäcken als Teil eines Projektes der örtlichen Kunsthochschule.

Es steht fest: Melbourne rockt!


Mittwoch, 26. Mai

Mit schwerem Gepäck und schweren Herzen machen wir uns auf den Weg zum Flughafen. Die Zeit ist viel zu schnell vorbei gegangen...

3224 km
Sydney hat uns wieder! Während es hier wahre Sturzbäche regnet, die es tatsächlich schaffen, nicht nur auch den Rest unserer Klamotten, die die tropische Luftfeuchtigkeit im Inneren unseres GuitarHeros überstanden haben, völlig zu durchnässen, sondern auch noch unsere Regenschirme heimtückisch zu ermorden, sind wir in Gedanken noch ganz weit weg...


Innerhalb von nicht einmal zwei Wochen haben wir:

1. drei - und damit die Hälfte - der australischen Bundesstaaten inklusive ihrer Hauptstädte bereist,
2. gelernt, dass wir beide unheimlich viel Zeit mit unheimlich wenig Worten füllen können,
3. festgestellt, dass wir fremde Menschen hauptsächlich anstrengend finden (wobei ich mir da noch nicht abschließend sicher bin, ob Oli in dem Fall ansteckend oder aufdeckend wirkt - falls letzteres der Fall sein sollte: Wie habe ich es bitte so lange geschafft, so zu tun als wäre ich tolerant, während eigentlich ein fieser, kleiner Misanthrop in mir steckt?),
4. diverse kulinarische Vorlieben und bisher unbekannte sportliche Talente an uns entdeckt
und
5. uns unsterblich verliebt...

... in ein Land, das atemberaubend schön, unglaublich vielseitig, geheimnisvoll und auf dieser Welt einfach einmalig ist.

In ein Land namens Oz!

Freitag, 14. Mai 2010

...halfway...

Aaaaaah - wie konnte das denn passieren? Schon Halbzeit! Und ich hab's fast nicht gemerkt...

Tja und so langsam muss ich mir wohl Gedanken machen, was ich noch alles sehen will und wann ich das machen soll, bevor es wieder nach Hause geht. Was Sydney angeht, werde ich wohl in den letzten 2 1/2 Wochen noch genug Zeit haben. Bis dahin geht's jetzt erstmal auf Tour...

Habe ja doch schon letzte Woche meinen Supervisor kennen gelernt, von dem ich dachte, er wäre noch mindestens 2-3 Wochen unterwegs, weil mir irgendwie keiner in diesem Krankenhaus sagen konnte, wann er zurück kommen würde. Eigentlich war deshalb mein Plan, einfach Flüge zu buchen, erst zurückzukommen, wenn er wieder da ist, und mich darauf zu verlassen, dass Rebecca, Simon und Jordan den offiziellen Erlaubnisteil übernehmen... Naja, wär wohl zu einfach gewesen. Jedenfalls musste ich Dr. Macleod dann wohl oder übel doch direkt fragen. Und auch wenn alle sagen, dass die Australier Reisepläne während des PJs eher unterstützen als Probleme damit haben - ich hab da inzwischen auch schon Gegenteiliges gehört! Und ich war echt aufgeregt!!! Also schön nochmal mit Rebecca durchgesprochen, was ich am besten sage... Sie wollte ihm außerdem versichern, ich wäre die interessierteste und engagierteste Studentin der Welt, falls er sich erkundigen sollte. Haben ausgemacht, dass ich ebenso in Lobeshymnen ausbrechen werde, wenn er mich nach ihren Fähigkeiten als Resident fragt. :)

Tja, und wie das immer so ist: Viel Lärm um nix! Hab am Freitag erstmal schön verschlafen und bin dann ganze 10 Minuten zu spät zum Treffen in Balmain gekommen (Ihr erinnert euch? Etwa 20 - 25 Infektiologen aus verschiedenen Krankenhäusern Sydney + Hammer-Frühstück + ne knappe Stunde Fallvorstellungen und Diskussion). Da waren aber glücklicherweise alle noch mit besagtem und wieder mal grandiosem Frühstück beschäftigt und Dr. Macleod hat sich erstmal in aller Form und in fast perfektem Deutsch bei mir dafür entschuldigt, dass es diesmal leider keinen Kaffee gibt. Naja, ich bin ja tolerant - hab ihm also verziehen und mein Vorhaben angesichts der Aussicht auf Bananabread, Müsli mit Joghurt, Scones (kleine fluffige Brötchenartige Teile) mit Marmelade und Sahnequark und leckeren O-Saft spontan auf das Ende der Veranstaltung verschoben.

Letztendlich hab ich etwa 30 Sekunden mit knallrotem Gesicht vor mich hingestammelt, um dann von ihm zu hören: "Klar darfst du frei nehmen, um noch ein bisschen zu reisen. Mach einfach, wozu du Lust hast! Ich muss nur wissen, ob du dann nochmal ins Krankenhaus zurückkommst oder ob du gleich wieder nach Deutschland fliegst..." Aha! Na dann...

Also haben Oli und ich sofort alles dingfest gemacht und den Campervan und die Flüge gebucht. Und morgen früh geht's los!!! :D

Der restliche Freitag war dann ebenfalls noch sehr angenehm. Eine der Mikrobiologie-Assistenzärztinnen - Genevieve - hatte ihren letzten Tag. Inzwischen ist sie bestimmt schon auf dem Weg mit dem Mountainbike quer durch die Schweiz und Österreich und schreit den halben Tag mit wunderbar australischem Akzent "Achtung!", "Aus dem Weg!" und "Weg da!"... Alle Ärzte meines Teams sind nämlich einstimmig der Meinung gewesen, Deutsch wäre eine wunderbare Sprache, um Leute anzuschreien und haben mich genötigt Genevieve kurz vor ihrem Trip noch schnell mit dem passenden Vokabular zu versorgen. Um den Abschied auch gebührend zu würdigen, haben uns unsere beiden Consultants Dr. Chan und Dr. Macleod zum Mittagessen in ein total stylisches Restaurant in Newtown - DEM Stadtteil für grandiose, internationale kulinarische Erlebnisse - eingeladen. Der Name war zwar etwas gruselig - Bloodwood - aber die Einrichtung echt originell und das Essen super lecker. Und noch dazu war es total witzig alle mal außerhalb des Krankenhauses zu erleben. Während Dr. Chan darauf bestanden hat, seinen Nachtisch für sich allein haben zu wollen - wir hatten 3 Trifles (typisch australische Süßspeise bestehend aus Marmelade, Obst, Kuchenteig und Vanillesoße) für 6 Personen bestellt - und dann auch noch die Reste der anderen aufgegessen hat (nur so nebenbei - wer mich halbwegs kennt, weiß, dass ich von meinem Trifle ganz bestimmt nix übrig gelassen habe, auch wenn ich Dr. Chan sehr schätze... ;)), hat Dr. Macleod schockierende Details aus seiner Studentenzeit zum Besten gegeben. Passend zum Namen des Restaurants übrigens... Studenten tun ja bekanntlich einiges, um ihre finanzielle Situation etwas aufzubessern und zufälligerweise wusste man vor etwa 30 Jahren noch nicht ganz so viel über Blutungen im Magen-Darm-Trakt und deren Erkennung und Therapie wie heutzutage. Was macht man also als wissbegieriger Forscher? Man führt eine Studie durch und bezahlt mithilfe großzügiger Pharmaunternehmen arme, bedürftige Medizinstudenten wie Dr. Macleod - damals noch ohne D und r - als Versuchskaninchen. Da die aber eher selten spontan im Verdauungstrakt bluten und man als Forscher ja nicht ewig auf Ergebnisse warten kann, bedient man sich einfach bei der Blutbank und serviert jeder der Versuchspersonen einen Becher frisch gekühltes menschliches Blut - je nach persönlichen Vorlieben gern auch gemixt mit Milch oder Coke - und lässt sie danach für 2 Wochen ihren Stuhl sammeln...
Also mal ehrlich, da war doch das bisschen Stechen in der Nase, dem ich meine Testpersonen ausgesetzt hab, mal gar nichts!!! Aber wie dem auch sei - Dr. Macleod hat's wohlbehalten überstanden und wir wissen jetzt alle, wie man gastrointestinale Blutungen zuverlässig erkennt. Danken wir also Dr. Macleod!

Als wir glücklich und allesamt völlig überfressen zurück auf der Station ankamen, waren alle in heller Aufruhr, weil einer unserer Patienten (180kg und ein Fan davon nur im typischen Krankenhaushemdchen und ohne Unterwäsche durch das gesamte Krankenhaus zu wandern, alle freundlich zu grüßen und unbedacht seine nackte Rückansicht zu präsentieren - der Rest sei eurer Fantasie überlassen) auf die tolle Idee gekommen ist, man könnte ja den Herzstillstand eines anderen Patienten dazu nutzen, mal eben dessen Portemonnaie zu klauen. Als die Herren von der Security es ihm wieder abnehmen wollten, hat er sich auf dem Klo eingeschlossen. Das war dann der Moment, als alle schleunigst in Deckung gegangen sind, weil der gute Mann nämlich unter anderem auch eine psychiatrische Grunderkrankung hat, die - wie uns der freundlicherweise von seiner Wohneinrichtung mitgegebene Polizei- und Krankenhausbericht netterweise vorwarnte - dazu führt, dass er in Stresssituationen gerne mal dazu neigt, seine Exkremente auf potentielle Angreifer zu werfen... Yeah, Action! Ist aber alles gut ausgegangen. Der Mann mit Herzstillstand hat überlebt und sein Geld zurück bekommen, ohne dass sich dafür jemand in die Schusslinie begeben musste.

Nachmittags hab ich mich dann mal wieder mit dem lieben Oli getroffen und wir sind nach Haymarket im Zentrum gefahren, um dort den Paddy's Markets - einem Markt im Untergeschoss eines großen Shoppingcenters einen Besuch abzustatten. Leider hatten die nur noch eine Stunde geöffnet, so dass wir es gerade so geschafft haben und noch ein bisschen durch die Massen zu quetschen, einen kurzen Blick auf leckeres Obst und Gemüse und eine riesige Bandbreite an Klamotten und allen möglichen Ramsch zu erhaschen und schnell noch jeder 'ne überdimensionale Wollmütze zu kaufen, weil der Herbst hier in Sydney mit knapp 20°C langsam echt kalt wird...

Für den Abend hatte uns Earnest, ein Australier, den wir auf dieser Lagerhausparty am 2. Wochenende hier kennengelernt hatten, zu sich eingeladen. Er wollte das einjährige Jubiläum seiner ersten eigenen (im Sinne von gekauften) Wohnung in Sydney feiern. Leider stellte sich heraus, dass die Partygesellschaft nur aus Oli, Earnest, Matt (Franzose, ebenfalls auf der Lagerhausparty kennengelernt) bestand, weil alle anderen auf dem Geburtstag von irgendjemandem waren, den wir nicht kannten. Aber letztendlich wars echt lustig und Matt, Oli und ich sind dann noch leicht angetüdelt weitergezogen und dann auf den Oxford Street in 'nem Club namens "The Gaff" auf den Rest der Truppe gestoßen. Die Nacht endete dann mal wieder mit nem stundenlagen Spaziergang durch Sydney, inklusive Hydepark, Anzac Memorial und George Street, 2 Stops bei McDonalds, 'nem spontanen Straßenkonzert und leidenschaftlichen Liebesbekundungen zwischen Oli und mir... Irgendwie sind wir dann tatsächlich bei mir angekommen und direkt ins Koma gefallen. Großartiger Abend!



Den Samstag haben wir dann mal wieder schön gemütlich mit 'nem leckeren Frühstück in meinem Viertel begonnen. Zusammen mit einer meiner beiden Mitbewohnerinnen - Luisa, Jurastudentin aus Mannheim, die hier ihren Master of Law macht - und einer Freundin von Oli - Sarah, amerikanische Medizinstudentin, die gerade von 'nem Roadtrip zurück gekommen ist und neben ihre Strandbräune leider auch bed bugs (fiese stechende Bettwanzen) und 'ne heftige Grippe im Gepäck hatte. Danach waren wir auf dem Glebe (so der Name meines Viertels) Market - also mal wieder eine Gelegenheit zum Herumschlendern und Geld ausgeben. Hab die Gelegenheit genutzt und ein paar Mitbringsel geshoppt. Also liebe Familie - freut euch gefälligst schon mal!!! :)

Nach einer endlos langen, gefühlt Jahre dauernden Odyssee durch die Straßen des Central Business Districts von Sydney, deren sowohl Grund als auch Ergebnis derartig sinnlos und unbefriedigend waren (was unseren Zustand nach der vorangegangen Nacht nicht gerade gebessert hat), dass ich nicht näher drauf eingehen möchte (will euch auch ehrlich gesagt einfach nicht zu sehr langweilen), sind wir erstmal wieder bei mir versackt. Musste dann Oli fast aus der Wohnungstür prügeln, weil er ganz plötzlich viel mehr Lust hatte, den Abend vorm Fernseher zu verbringen, als sich der nächsten Party auszusetzen. Sind dann aber letztendlich doch losgezogen - auf zur Geburtstagsparty von Megan (halb deutsch, halb britisch, Psychologin, forscht hier an irgendwas mit Schlaf) und Chad (Amerikaner, Jurastudent und - oho - Model)! Weil wir echt überhaupt gar keine Lust auf irgendwas Alkoholisches hatten, hab ich uns jedem erstmal 'n großes Glas Orangenlimo eingegossen. Tolle Idee! War nämlich doch keine Limo, sondern irgendein hochprozentiger Mix. Haben uns dann unserem Schicksal ergeben... Habe ein neues Spiel kennen gelernt - Beer Pong. Zwei Teams aus jeweils 2 Leuten stehen sich an 'nem Tisch gegenüber und jeder hat 6 etwas mehr als halbvolle Becher Bier vor sich stehen. Die Aufgabe besteht dann darin 'nem Tischtennisball in die gegnerischen Becher zu werfen. Gezielt wird abwechselnd und das Team, dessen Becher getroffen werden, muss diese leeren. Na und verloren hat logischerweise das Team, das zuerst keine vollen Becher mehr vor sich stehen hat... Und ja, trotz der komischen Limo war ich noch sehr treffsicher und wir haben tatsächlich gewonnen! Also - sehr lustiges Spiel - werden wir demnächst in Dresden auch einführen! :) Glücklicherweise läuft man von Megan zu mir nur etwa 5 Minuten, so dass der Abend diesmal nicht ganz so anstrengend ausgegangen ist...

Dementsprechend war ich am Sonntag nach etwa 6 Stunden Schlaf putzmunter und voller Tatendrang, der dann leider daran gescheitert ist, dass der liebe Oli sich spontan entschieden hat bis kurz vor 13Uhr durchzuschlafen, um dann aufzustehen und mir mein leckeres Frühstück wegzufressen... Hatte also vorher knappe 3 Stunden Zeit Wäsche zu waschen, Wäsche abzunehmen, zu bügeln, die halbe Wohnung zu putzen, e-Mails zu schreiben und dann letztendlich zu entschließen, mir endlich Frühstück zu machen, weil mein Hunger inzwischen einfach zu groß war, um damit noch auf Oli zu warten... Naja, besagtes Frühstück hat der Oli wahrscheinlich trotz seiner komatösen Schlafgewohnheiten gerochen...
Sind dann nochmal zu den Paddy's Markets spaziert, um endlich ganz in Ruhe unser Geld unters Volk zu bringen.

Montag war wieder Krankenhaus angesagt, allerdings nur bis mittags. Dadurch hatte ich Gelegenheit mein Fahrrad endlich mal ausgiebig zu nutzen. Ich bin zum Centennial Park, der größten zusammenhängenden Grünfläche der Stadt, gefahren. Habe dort ein paar Runden gedreht, sämtliche Wege mindestens einmal abgefahren und unterwegs so ziemlich alles an Grün fotografiert, das ich finden konnte. Und freilaufende Pelikane gesehen!!! Klingt jetzt vielleicht alles nicht so spannend und ich bin ziemlich überzeugt davon, dass alle, die mich gesehen haben, etwas in der Richtung gedacht haben müssen wie "Oh, die Arme scheint ihr bisheriges Leben in 'nem dunklen Keller verbracht zu haben und sieht heute das allererste Mal Bäume, Gras und Wasservögel." Aber mal ehrlich, das sieht hier alles echt total anders aus! Wirklich! Ich find's jedenfalls toll... So!

Am Dienstag hat's dann mitten am Tag angefangen im ganzen Krankenhaus merkwürdig verbrannt zu riechen. Dr. Chan meinte dann so ganz nebenbei, dass das bestimmt nur wieder ein Buschbrand ist, weil's um die Mittagszeit ja relativ warm gewesen ist... - Haaallooooo? Wie bitte? Buschbrand? Hilfe! - Aber ich solle mir keine Sorgen machen. Zuerst würden die westlichen Vororte brennen, wie beispielsweise Penrith. Und um das sei's auch nicht wirklich schade...
Okay, alles klar. In Penrith befindet sich übrigens das Krankenhaus für das ich zuerst die Zusage hatte!
Letztendlich war wohl tatsächlich alles halb so schlimm. Die nette Kassiererin im Supermarkt (Könntet ihr bitte sicher stellen, dass ich an der Kasse im Lidl demnächst auch mit "Hey Sweety, wie war dein Tag?" begrüßt werde?!) hat mir erklärt, dass das ein so genannter Reinigungsbrand in den Blue Mountains war. Die Australier verbrennen nämlich regelmäßig alles abgestorbene Zeugs, was sich so auf dem Waldboden ansammelt, um sicherzustellen, dass das nicht später von alleine und völlig unkontrolliert anfängt zu brennen... Daher kommt also der Spruch "Feuer mit Feuer bekämpfen"!

Abends haben ich mich mit Megan, Sal (Londoner, studiert hier BWL und Politik) und Juristencrew bestehend aus Julia, Frank, Nicolas (alle 3 auch Deutsche), dem anderen Nicolas (Schweizer) und Andy (Schotte) zum Tacosabend auf der Glebe Point Road (also bei mir um die Ecke) getroffen. Fazit: Tacos - lecker, Sangria - die beste meines Lebens, Kellnerin - unfreundlich, Stimmung - trotzdem gut. :)



Am Mittwoch stand dann wieder ein bisschen Touriprogramm auf dem Plan und Elisabeth, Oli und ich waren im Sydney Opera House und haben die Musiker der "Sydney Symphony" genossen. Habe festgestellt, dass ich hinsichtlich klassischer Musik wohl eher konservativ bin. Ich fand die Overtüre von Beethoven weitaus schöner als das 2009 entstandene Werk von Georges Lentz, einem mir bisher völlig unbekannten australischen Komponisten. Außerdem wurden noch Stücke von Igor Stravinsky und Jean Sibelius gespielt - auch sehr schön, vor allem letzteres. Abgesehen davon war der Konzertsaal an sich schon echt beeindruckend und sowohl die Akustik als auch die Sicht selbst von unseren in der vorvorletzten Reihe gelegenen Billigplätzen aus der absolute Hammer!

Gestern hab ich mich dann mal wieder etwas zeitiger aus dem Krankenhaus verabschiedet und bin nochmal in Ruhe durch Newtown spaziert, habe ganz viele kleine Läden mit tollen Klamotten, stylischen Möbeln und Klimmbimm-Mädchenkram entdeckt und mich mal wieder über die ollen Gewichtsbeschränkungen von Air China geärgert.
Achso, nur so nebenbei. Nicht dass der Eindruck entsteht, ich würde mein PJ nicht ernst nehmen... Dienstag und Mittwoch war ich bis knapp um 5 da und heute bin ich auch erst kurz nach 4 gegangen! Fleißig, wa? ;)
Abends sind wir noch ein bisschen durch die Pubs gezogen und irgendwie war ich dann wieder viel zu spät daheim und musste heut morgen nach nur 4 Stunden Schlaf wieder aufstehen... Dementsprechend war der Tag im Krankenhaus auch eher entspannt. Habe die meiste Zeit damit zugebracht zu essen (Frühstück in Balmain, Lunch im Krankenhaus), Kaffee zu trinken und mir ein bisschen was über Antibiotika beibringen zu lassen.
Ach nee, halt! Habe die nächste Stufe auf dem Weg zum professionellen Flexülen-Leger erreicht. Ich glaube, so sehr viel schwieriger geht's tatsächlich nicht mehr: Winzig zarte Venen einer durchaus netten aber leider ziemlich übergewichtigen Frau aus Afrika... Tatatataaaaa - trotzdem geschafft - wenn auch erst beim 2. Versuch! Und danke an alle Ärzte, dir mir eingetrichtert haben, mir bloß nicht anzugewöhnen ohne Handschuhe Flexülen zu legen, nur weil man damit viel weniger Gefühl hat! Dadurch war ich nämlich daran gewöhnt und das ist, glaube ich, bei HIV-positiven Patienten ganz praktisch... Haben uns dann gemeinsam über meinen Erfolg gefreut!

Dann hab ich mich für die nächsten anderthalb Wochen von meinem Team verabschiedet, was die noch für ein paar Witze auf meine Kosten genutzt haben...
Zuerst meinte Jordan, wenn ich mit Endocarditis zurückkomme, gibt's Ärger. Dazu sei gesagt, dass wir gerade relativ viele Patienten mit bakterieller Endocarditis (Herzklappenentzündung) auf der Station haben und die sich das alle dadurch geholt haben, weil sie sich mit schmutzigem Besteck Heroin und andere wilde Drogen inklusive fieser Keime injizieren... Konnte ihn aber beruhigen, dass ich nicht so ganz der Typ für solche Experiment bin und ganz bestimmt keine Endocarditis zurückbringen werden.
Rebecca meinte darauf hin: "Dann vielleicht Syphilis? Haha, nee, nur Spaß!" Haben auch grad 'nen Patienten mit Syphilis im 3. Stadium auf der Station, bei dem dummerweise das Nervensystem befallen ist. Deswegen ist es völlig neben der Spur und leicht manisch auf dem Flughafen eingesammelt worden und hat erstmal einen ganzen Monat in der Psychiatrie zugebracht, bis mal jemand auf die Idee gekommen ist, dass er ja Neurosyphilis haben könnte. Also hat sich die Therapie leider etwas verzögert und wenn er Pech hat, ist der Schaden schon irreversibel und er bleibt für den Rest seines Lebens unzurechnungsfähig und wird ganz schnell dement. Also auch kein Schicksal, dem ich unbedingt nacheifern will!
Dr. Chan hat mir dann noch den Rat gegeben, bloß nicht zu viel Gras zu rauchen, man wisse ja nie, was die einem da so andrehen...
Alles klar! Der Norden von New South Wales hat also einen echt tollen Ruf!

Abgesehen von Junkies, Dealern und Geschlechtskrankheiten, freu ich mich allerdings vor allem auf ganz viel Sonne, Strand, Wellen, Freizeit, Entspannung und danach ein bisschen Kultur in Melbourne... :D


Donnerstag, 6. Mai 2010

Von blauen Bergen, hohen Häusern und fernem Weh


Und da ist er wieder: der Freizeitstress! Scheint sich wohl irgendwie doch mit ins Flugzeug geschlichen zu haben... Jedenfalls ist der jetzt daran Schuld, dass ich zu allen möglichen Dingen komme, aber nicht zum Blog schreiben. Bis jetzt... :)
Aaaaaalso, wo fang ich denn an?

Krankenhaus! Ja, die letzte Woche war ziemlich langweilig. Was wahrscheinlich auch zum Teil daran liegt, dass ich mich momentan nicht gerade als außerordentlich motivierten Studenten
bezeichnen kann. Was mir aber immerhin ausreichend Zeit zum Sightseeing verschafft.
Zuerst war ich im Museum of Contemporary Art, was blöderweise gerade nur auf der Hälfte einer der 4 Etagen geöffnet hat. Alles andere wird gerade umgebaut, weil am 15. Mai ne neue Ausstellung eröffnet wird. Aber - kein Problem. Da die Australier die angenehme Angewohnheit haben für einen Großteil ihrer Museen keinen Eintritt zu verlangen, werd ich wohl einfach nochmal hingehen. Danach war ich relativ lange in den Rocks spazieren, dem Stadtteil, in dem die britischen Siedler die ersten Gebäude erbaut haben. Wer annimmt, eine australische Stadt am Meer wäre mit den deutschen Küstenstädten vergleichbar und genauso flach (...so wie ich...), der würde sich ganz schön umschauen (so wie ich!), wie oft man hier, egal in welchem Stadtteil und wie nah am Meer auch immer, irgendwelche Treppen und Berge (!) hoch und runter klettern muss, um sich fortzubewegen! Allerdings wird man für die Strapazen mehr als entlohnt, wenn man dann endlich ganz oben angekommen ist... Zum Beispiel mit der Aussicht vom Observatory Hill Park rund um die Sternwarte - echt schön!
Die nächste Station war der berühmte Bondi Beach - ein Strand, der vom Zentrum aus sehr schnell erreichbar und besonders beliebt bei Surfern ist. Habe jene dann ne ganze Weile beobachtet und versucht mir die Tricks abzugucken. Also: Wann und vor allem wie kommt man von der liegenden in die aufrechte Position? Musste mir dann aber erklären lassen, dass wohl anfangs schon allein das Liegen und Vorwärtskommen ein echter Balanceakt ist und es relativ lange dauern kann, bis man sich wirklich ans Aufstehen heranwagt. Naja, ich werde es wohl hoffentlich irgendwann nochmal ausprobieren... Bin allerdings sehr zuversichtlich, dass ich mich mindestens genauso dämlich anstelle, wie tausende deutsche Backpacker vor mir! :)

Am Freitag hab ich dann spontan nach dem Infektiologietreffen in Balmain, bei dem es mal wieder ein vorzügliches Frühstück gab (Bagels mit Tomaten, Frischkäse und Avocado, Joghurt, Obst, Muffins und anderer Süßkram, dem ich ja bekanntlich relativ schlecht wiederstehen kann...), entschieden, dass ich eigentlich gar keine Lust hab, noch mit auf meine Station zu
gehen. Also bin ich morgens halb 10 in Australien (haha) zurück in meine Wohnung gefahren,
wo der Oli gerade dabei war aufzustehen. Der hat nämlich freitags generell frei (offiziell Vorlesungen, aber naja) und ist deshalb am Donnerstag schon ins Zentrum gekommen.
Haben dann geschlagene 5 Stunden in der Art Gallery of New South Wales verbracht. FÜNF Stunden! Und natürlich war auch hier wieder der größte Teil für umme zu besichtigen und nicht mal den haben wir vor Ende der Öffnungszeit komplett geschafft! Echt unglaublich! Waren uns einig, dass australische Kunst des späteren 20. Jahrhunderts unheimlich unspektakulär ist, der Rest der Ausstellung aber eindeutig sehenswert war!

Da wir für Samstag nen Ausflug in die Blue Mountains geplant hatten und Olis Wohnung da ausnahmsweise mal eindeutig im Vorteil ist, was die Distanz angeht, hab ich abends meine Sachen gepackt und wir sind nach Westmead gefahren. Haben den hochkulturellen Tag dann gebührend mir unglaublich schlechtem Tiefkühlfraß vorm Fernseher abgeschlossen.
Nach der Anzahl an Fastfoodläden zu urteilen, sollte man echt annehmen, die Australier verstehen was von Fertigessen. Habe aber leider in meiner Spinat-Ricotta-Lasagne vergeblich versucht wenigstens eine der beiden Zutaten herauszuschmecken und Olis Pizza hat eher an knusprige Pappe als an eine italienische Spezialität erinnert...

Am Samstag ging's dann relativ früh los und mit dem Zug in Richtung Blue Mountains - ein Gebiet westlich von Sydney, das wohl relativ viele hier lebende Australier vor allem im Sommer zur Erholung nutzen. Blue deshalb, weil die Wälder zu einen Großteil aus Eukalyptusbäumen bestehen, der Dämpfe die Luft wohl blau färben sollen.
Also ich fand, es war eigentlich relativ grün... Aber das dafür so richtig! Mir wurde ja zu Hause der glorreiche Tipp gegeben, bei dem Bisschen an Zeit, die ich habe, könne ich auf ne Wanderung in den Blue Mountains guten Gewissens verzichten. Das würden zwar die meisten Touristen machen, aber eigentlich wäre das nix anderes als die Sächsische Schweiz.

Ha! Stimmt ja gar nicht! Oder haben wir in der Sächsischen Schweiz etwa malerische Wasserfälle, die meterhohe Felswände hinunterstürzen? Und hat man in der Sächsischen Schweiz etwa das Gefühl mitten im Regenwald gelandet zu sein? Und fliegen da etwa bunte Papageien durch die Gegend? Nee! Ha!
Glücklicherweise hatten wir Elisabeth und Jodi (australische Medizinstudentin) dabei, die die Wege schon kannten und uns eine superschöne Tour rausgesucht haben. Mittagessen gabs
direkt an einem der Wasserfälle und ich glaube, ich hab die anderen ganz schön genervt, weil ich ständig irgendwo anhalten und Fotos machen musste, die nicht mal annähernd wiedergeben werden, wie schön das dort war. Also bereitet euch auf langweilige Fotovorführungen vor, bei denen ihr wahrscheinlich denken werdet: "Ah, ein Baum! Wie aufregend!" ;)

Zurück in Westmead hat Elisabeth uns Fotos von ihrer Tour durch Tasmanien und nach Melbourne gezeigt und damit mal wieder absolut mein Fernweh geweckt. Aaaaaaah! Ich bin viel viel viel zu kurz hier und habe eindeutig zu wenig Zeit! Habe beschlossen, nochmal wieder zu kommen, dann mit mehr Geld (für das ich wahrscheinlich erstmal arbeiten muss) und mehr Zeit (die ich nicht mehr habe, wenn ich erstmal arbeite)! Bitte hiermit um ernst gemeinte
Vorschläge, wie beides gleichzeitig realisierbar sein könnte! Oder um Spenden, damit ich die Sache mit dem Arbeiten einfach weglassen kann - würde einiges erleichtern... :)

Am Sonntag war's dann soweit. Habe den Kontakt zum Pazifik intensiviert! Die gute australische Herbstsonne hat ganz artig mitgespielt und uns einen Tag am Strand geschenkt. Also hat sich die Steffi brav mit LSF 30 eingeschmiert, den Oli und die Elisabeth eingepackt und ist nach Coogee, einem Strand etwas südlich von bereits erwähntem Bondi Beach gefahren...
Der Oli war so großzügig seine Ortskenntnis mit uns zu teilen und hat uns in seine Lieblingsbucht namens Gordon's Bay geführt - eine kleine von malerischen Felsen umrandete Bucht mit türkisblauem Wasser und recht wenigen Besuchern. Das war echt Urlaub pur! Und, man mag es kaum glauben, aber ich war tatsächlich im Meer! Komplett! Und das obwohl ich ja, was kaltes Wasser oberhalb der Knie angeht eher ein Weichei bin... Und obwohl ich den Gedanken an möglicherweise vorbei (also hoffentlich nur "vorbei" und nicht "auf mich zu") schwimmende Rochen, Haie und Würfelquallen nicht so ganz verdrängen kann... Oli hat inzwischen an seiner australischen Bräune (DAS Angebermitbringsel schlechthin!) gearbeitet. Hab ihn aber trotz des Nachlegens von LSF 30-Sonnencreme eindeutig überholt, was die Färbung angeht. Hehe! Wenn ich was kann, dann wohl das! ;)

Frisch motiviert bin ich also am Montag in meine 3. PJ-Woche gestartet.
Habe mir vorgenommen, mal echt vorbildlich anwesend zu sein und Interesse zu zeigen, in der Hoffnung möglich viel Unterstützung bei der Durchsetzung des Projektes "Urlaub für Steffi" (siehe Fernweh) zu bekommen. Scheint zu funktionieren! Das Röntgenmeeting am Mittwoch begann mit einer lebhaften Diskussion unter sämtlicher Ärzten der Immunologie und Infektiologie, was ich denn unbedingt noch sehen müsste und wieviel Zeit ich dafür frei bekommen sollte... Dabei war auch mein Supervisor anwesend, also derjenige, der letztendlich unterschreiben muss, dass ich immer brav im Krankenhaus war und NIE gefehlt habe. Hatte ja eigentlich gedacht, dass der erst in 2 Wochen aus seinen Ferien zurückkommt und deshalb
geplant, einfach vorher zu verreisen und danach zu sagen, alle anderen hätten gemeint, ich soll unbedingt frei nehmen und das wäre schon in Ordnung. Naja, jetzt komm ich wohl doch nicht drum herum ihn persönlich zu fragen - das werde ich dann morgen mal in Angriff nehmen!
Rebecca, mein Stations-Resident, hat heute schon mit mir geübt, was genau ich sagen muss, damit das nicht klingt wie: "Hey! Ich hab echt keine Lust darauf hier im Krankenhaus zu versacken und erwarte stattdessen von dir, dass du mir unterschreibst, dass ich immer da war, obwohl ich stattdessen irgendwo an nem Strand versucht hab, ein Surfbrett dazu zu bringen einigermaßen das zu tun, was ich will." Wäre wohl etwas unhöflich! ;)
Außerdem muss ich auch echt mal sagen, dass diese Woche bisher richtig Spaß gemacht hat und ich sogar was gelernt hab. Die Ärzte sind echt ausnahmslos nett und geduldig und nehmen sich superviel Zeit für's Teaching. Und für nicht-medizinische Tipps. Rebecca hat mir auf 2 kompletten A4-Seiten alle möglichen Bars und Cafés aufgeschrieben, die ich unbedingt ausprobieren muss, so lange ich hier bin. Außerdem hat sie beschlossen, dass wir unbedingt mal zusammen weggehen müssen, weil sie mir dann viel besser alle coolen Ecken zeigen kann. Die ist sowas von süß!

Wobei ich mich wie gesagt über zu wenig Freitzeitbeschäftigung nicht beschweren kann...
Am Montag war ich mit Oli und Elisabeth in einer Bar, die mir eine meiner Mitbewohnerinnen (Kristen, die Australierin, die gerade für 5 Wochen nach Italien geflogen ist) empfohlen hat.
Und diese Bar befindet sich nicht nur im 47. Stock eine Hochhauses und schenkt einem damit einen super tollen Ausblick über ganz Sydney. Nein, sie dreht sich auch noch! Man kann also gemütlich einen Cocktail schlürfen und nach etwa 1 1/2 Stunden hat man ohne auch nur einen Schritt zu gehen jeden Winkel der Stadt mindestens einmal von oben gesehen. Wahnsinn!


Dienstag war wieder Kinotag. Ob man IronMan2 jetzt unbedingt gesehen haben muss, weiß ich allerdings nicht... ;)

Gestern war ich mit Oli, Nik und Co im Lansdowne Hotel. Irgendwie heißen hier alle Pubs und Eckkneipen Hotel, was erstmal ganz schön verwirrend sein kann. Jedenfalls waren das haufenweise mehr oder weniger betrunkene Studenten und die Musik kam nicht vom Band sondern von zwei enthusiastischen singenden Gitarrenrockern, die meinen größten Respekt verdienen, weil sie sich trotz des undankbaren (weil betrunkenen) Publikums, dass direkt vor der Bühne wild herumgezappelt hat, nicht entmutigen lassen sondern geduldig und vor allem echt gut weitergespielt haben! Echt lustiger Abend - unter anderem dank Sal, dem Kerl mit der wohl witzigsten Lache der ganzen Welt! Zum Brüllen komisch! Oli und ich rätseln immer noch, was der wohl nimmt und ob wir das auch mal probieren sollten... ;)
(An dieser Stelle schöne Grüße an meine Mama: Keine Sorge! Nur Spaß! :))

Soooooo, da ich mir vorgenommen hab, heute mal zeitig in Bett zu gehen und für's Wochenende vorzuschlafen, soll's das für heute gewesen sein.

PS: So sieht das übrigens aus, wenn ich mich etwa 100 Meter von meiner Haustür entferne...
Also ich kann nur sagen, wenn Australien nicht so verdammt weit weg wäre, würde ich tatsächlich anfangen über's Hierbleiben nachzudenken! Vielleicht versteht ja der ein oder andere, warum... ;)