Sonntag, 4. Juli 2010

Hvordan man skreller reker - Wie man Garnelen schält

Die ersten 2 Wochen in Skien sind um und es wird mal wieder Zeit für einen kleinen Lagebericht. Die Zeit ist schon wieder wie im Flug vergangen und ich war vor allem damit beschäftigt, mich im Krankenhaus zurecht zu finden, meine Wohnung so halbwegs wohnlich zu bekommen und mir so etwas wie ein Sozialleben zusammen zu basteln.

Ersteres war ja dank der Tatsache, dass ich vor gut 3 Jahren schon mal hier war, nicht ganz so schwierig. Mein Orientierungssinn ist zwar bekanntlich nicht der aller verlässlichste, aber weder Notaufnahme noch OP-Bereich haben sich großartig verändert. Neu ist das viele Grün auf und um das Krankenhausgelände - das letzte Mal war ich ja pünktlich zum Mega-Schneechaos hier.

Vor dem Haupteingang zum Krankenhaus

Und viel Grün gibt's auch im Inneren, denn nachdem ich 4 Monate Innere Medizin mehr (in Dresden) oder weniger (in Sydney) hinter mich gebracht habe, befinde ich mich ja nun im Chirurgie-Tertial. Und da es überraschend gut klappt meine etwas eingerosteten Norwegisch-Kenntnis wieder hervorzuholen, bin ich recht optimistisch hier tatsächlich etwas zu lernen. An meinem ersten Tag habe ich von der Praktikumskoordinatorin einen Plan bekommen, wann ich in welcher Abteilung eingeteilt bin. Los geht's mit 3 Wochen Notaufnahme. Dort hängt man sich als Student einfach an den dienst habenden turnuslege.
In Norwegen gibt es nach wie vor so etwas wie die ehemalige AiP-Zeit in Deutschland, den so genannten turnus. Das bedeutet im Groben, dass man direkt nach Abschluss des Studiums eine Nummer zieht und dann alle, die sich um einen turnus-Platz beworben haben entsprechend der Reihenfolge ihrer Nummern aussuchen dürfen, an welchem Krankenhaus in Norwegen sie die Zeit absolvieren wollen. Los geht's mit jeweils 6 Monaten Chirurgie und Innere, danach muss man für weitere 6 Monate in einer kommunalen legevakt (Allgemeinarztpraxis) arbeiten und erst dann gilt man als vollwertiger Arzt und kann sich um eine Assistenzarztstelle bewerben.
Hat man als turnuslege Dienst in der Notaufnahme, hat man das Glück neben der Arbeit auch noch deutsche Medizinstudenten zu beschäftigen. Und wie macht man das am besten? Man lässt sie einfach das Gleiche machen, was man selbst tut. Das heißt für mich: Patienten annehmen, befragen, untersuchen, überlegen, welche weiteren Untersuchungen bestellt werden müssen und welche Behandlung dringend angefangen werden sollte. Dann das Ganze zuerst mit dem turnuslege, dann mit dem dienst habenden Assistenzarzt - bakvakt - besprechen und letztendlich noch ein innkomstjournal (Aufnahmebericht) schreiben.
Das klingt jetzt vielleicht alles nicht so super spannend, aber für mich ist es echt super - alles andere als langweiliges Zeit tot schlagen und dümmliches Hinterhertippeln und gleichzeitig 'ne super Möglichkeit mein Norwegisch zu verbessern! Aber dafür bin ich abends schon immer ganz schön fertig...
Wenn in der Notaufnahme nichts los ist, geh ich in den OP und versuche jede Chance zu nutzen ein bisschen was Praktisches zu machen. Das Gute ist, dass hier gerade die Ferienzeit angefangen hat und es deshalb immer mal an Assistenten fehlt und ich in dem Fall einspringen kann. Jaaaaa! Hab schon wieder ein bisschen Blut geleckt - also im übertragenen Sinn... ;)
Leider bedeutet Ferienzeit aber auch, dass natürlich viel weniger auf dem OP-Programm steht als normalerweise, was aber für die ersten paar Wochen hier vielleicht ganz okay ist.

Mein Freizeitprogramm ist momentan relativ Fußball lastig. Die Norweger interessieren sich glücklicherweise tatsächlich für die WM, obwohl sie selbst gar nicht dabei sind. Deshalb komme ich darum herum die Deutschlandspiele einsam und allein auf meinem Sofa anzuschauen. Ich würde zwar nicht unbedingt von Public Viewing sprechen, aber in der örtlichen Sportbar lässts sich's schon aushalten... :)

Fußball-WM im METS mit norwegisch-schwedischer, moralischer Unterstützung


Die meiste Zeit außerhalb des Krankenhaus verbringe ich mit Iselin, einer norwegischen Medizinstudentin, die eigentlich aus dem Nachbarort Porsgrunn kommt, in der Slowakei studiert und momentan auch zum Praktikum hier in Skien ist.
Neben Gesellschaft bei der WM, Kino, Pausen im Krankenhaus versorgt Iselin mich mit Lektionen in Alltags-Norwegisch, norwegischen Essgewohnheiten und einem ausfüllenden Wochenendprogramm.

Frische Garnelen vorher (oben) und nachher (unten) - üblicherweise mit Mayo und Zitrone auf Weißbrot


Letztes Wochenende haben wir mehr oder weniger ungeplant nach 'nem Spieleabend bei Freunden von Iselin übernachtet, deren Haus mitten im Wald steht. Sehr idyllisch! Blöderweise aber eben auch sooo abgeschieden, dass nachts kein Bus mehr fährt, der einen nach Hause bringen kann, wenn man selbst ohne Auto da ist und die Gastgeber nicht mehr nüchtern genug sind, um Chauffeur zu spielen. Aber es hat schon was um sich herum nur Wald zu haben und nachts um halb 3 ins Bett zu gehen (aus gegebenem Anlass gibt es in jedem norwegischen Haushalt nämlich mindestens ein Gästezimmer) und dabei den Sonnenaufgang und das erste Vogelgezwitscher des Tages zu genießen.

Dieses Wochenende haben wir dann damit begonnen, Steinar, einem der turnuslege, dabei zu helfen seinen neuen, riesigen, 3D-fähigen Fernseher aufzubauen und uns mit Pizza, typisch norwegischen Süßigkeiten wie beispielsweise bamsemums - in Schokolade gehüllte Marshmallows in Bärenform - dafür bezahlen lassen.

Perfekt ausgestattet für die Montage riesiger Plasmafernseher

Gestern hat uns Iselins Mama nach Sandefjord gefahren, einem kleinen Urlaubsort an der Küste (und gleichzeitig Heimat des Flughafens Oslo Sandefjord Torp) in dem Iselins Freund Martin wohnt. Kaum angekommen, wurden wir von Martins Eltern mit einer leckeren Fischsuppe, Miesmuscheln, Garnelen und Weißwein verwöhnt. Hätte nie gedacht, dass so viel Fischkram auf einmal soooo lecker sein kann! Mmmmmhhhhhhhh...

Später ging's dann zu 'nem Freund von Martin, der kürzlich bei der Wette, er könne schneller von Oslo nach Trondheim radeln - etwa 500km - als ein Freund, eine Kiste Champagner gewonnen hat. So ein Sieg muss natürlich ordentlich gefeiert werden und so bin ich das erste Mal in den Genuss einer norwegischen Party gekommen - inklusive tanzen im Regen auf der Terrasse, einigen tiefen Blicken in diverse Gläser und 'nem nächtlichen Bad im Whirlpool.

Hyttefest med Iselin og Martin


Dementsprechend war der heutige Tag dann etwas - äh - träge... Haben das tolle Wetter genossen und ich habe herausgefunden, dass man auch in Norwegen braun werden kann und das norwegisches Eis am norwegischen Strand unheimlich lecker schmeckt!

Am Strand von Sandefjord

In nur einer Woche startet dann auch schon die große Besucherwelle. Den Anfang macht Clara, Ende Juli kommt dann Franzi und wird dann direkt von Omi und Opi abgelöst.
Das heißt für mich fleißig Pläne schmieden und mich darauf freuen noch ein bisschen mehr von Norwegen zu sehen! Yippie!


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